Faceyourmagazine's Blog


Marteria, Marsimoto oder Mars macht Mobil
August 27, 2010, 10:03 am
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Marteria. Marsimoto. Zwei Begriffe, ein Rapper. Ähnlich wie bei Eminem und Slim Shady. Das ich das Wort „Rapper“ und nicht „Person“ oder „Künstler“ wähle, ist durchaus beabsichtigt, aber dazu später mehr. Erstmal kümmern wir uns um den Rapper in ihm. Ihm, das ist ….., besser bekannt eben unter seinen Pseudonymen Marteria und Marsimoto. Fängt ja schon extravagant an – zwei Pseudonyme. Viele würden sagen geklaut, andere würden sagen inspiriert. Ich sage abgekupfert. Denn bei soviel Ähnlichkeit kann nicht mehr nur von Inspiration gesprochen werden.

Die Rede ist von der Namensverwandtschaft zum amerikanischen Ol´school Rapper Quasimoto, der ebenfalls mit verzerrter Stimme rappte. Auffallende Ähnlichkeit also zu Marteria´s alter Ego. Ist aber nicht schlimm, wandelt er doch musikalisch auf recht autargen Pfaden. Die Mischung in seinem musikalischen Machwerk lässt auch fast keinen anderen Schluß zu. Zwar lässt sich nahezu alles mit etwas bekanntem vergleichen, dies zu vermeiden ist heutzutage aber a)sehr schwierig und b) dürfte hier im Endeffekt, im Gegensatz zur oben erwähnten Pseudonym-Problematik, das Wort inspiriert ohne schlechtes Gewissen genutzt werden. Der Sound reicht von den eher älteren dubstep-artigen Beats, über Specialistz bzw Harris stark ähnelnde Klänge (gibt es mal keinen Zusammenhang zwischen Feature und Sound bei Harris-wie bei P.Diddy-ist der dabei,klingt auch alles gleich) und den doch recht poppigen Tracks des neuen Albums..,.. Stört aber nicht. Bei den Features, von Miss Platinum bis Peter Fox sind alle hochkarätig (und vor allem auch auf dem Konzert vertreten), und Lyrics macht selbst Popmusik soviel Spaß wie sie machen kann, ohne dabei wie rosa Kaugummi von Kesha zu wirken. Der Track „Endboss“ z.B. klingt wie Deichkind, Elektropophiphop mit SuperMarioSample, die Lyrics geformt aus Marterias Lebenslauf. Das Leben, ein Jump-N-Run. Nette Idee. Nicht schwer darauf zu kommen, hat man einen solchen Lebenslauf wie der Herr … vorzuweisen. Erster Level: Spieler bei der Hansa Rostock Jugend, dann im U17-Kader der dt. Nationalmannschaft, im Urlaub rüber nach New York gejumpt, als Model entdeckt worden (u.a. für Hugo Boss gearbeitet), dann wieder übern Teich nach Berlin und durch eine Schauspiel-Ausbildung gerunnt. Hätte Mario selbst mit Yoshis Hilfe nicht besser machen können. Und jetzt eben Rapper/Sprechsänger. Schon komisch: Da steht bei einer echt gelungenen Show ein echt hübscher Mann im Designeranzug auf der Bühne und rappt. Auch über Sex und Drogen. Mit Humor. Streetcredibility sieht eigentlich anders aus. Funktionieren tuts trotzdem. Eventuell auch ein raffinierter Zug, den doch ziemlich schicken Heimathafen Neukölln als Kulisse für sein Konzert zu wählen. Doch selbst wenn ein abgeranzter Keller dem hübschen äußeren des schizoiden Marteria einen Abbruch tun würde, wobei schöne Menschen ja angeblich nichts entstellt, dem Sound wäre es egal. Der brummt. Und zwar richtig.

(Yuppi Buge)



FEINDREHSTAR… puts jena on the map
August 10, 2010, 3:00 pm
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Beginnen wir mit einer Art Disclaimer: ich habe nie behauptet AHNUNG von Musik zu haben. Aber ich höre sie. Gerne. Und ich weiß, was mir gefällt, wenn ich es höre. Auch wenn ich es nicht immer in ein Genre einordnen kann. Das sollte ja aber auch nicht der Anspruch an das Musik hören sein, sondern die Musik selbst spricht für sich.

So. Nachdem das geklärt wäre – als letztes habe ich gehört: „Vulgarian Knights“, das kürzlich erschienene Album von Feindrehstar. Die acht Jungs stammen ja aus Jena. In Thüringen. Ich kenne leider nicht so viel Gutes, dass da herkommt: Rostbratwurst. Auf jeden Fall. Clueso. Vielleicht (ein Raunen ging durch die Menge). Manche Sachen von dem mag ich. Dann noch so ein  mittlerweile eh auf Eis gelegtes Rapkollektiv namens „Jederwill“. Schrecklich. Oder Northern Lights. Die wurden ja mal gefeiert. Ich wußte nie wieso. Höchstens wegen der Namensverwandtschaft zu einer Grassorte. Feindrehstar klingt erstmal wie das passende Paper dazu, haben aber schon den „creole–Weltmusik aus Mitteldeutschland“ 2008 gewonnen. Spricht theoretisch für sie. Trotzdem. Möglichst unvoreingenommen ans Werk.
Zugegebenermaßen- ich war positiv überrascht. Das Intro holpert noch ein wenig, aber es zeichnet sich ab: es wird jazzig, es wird funky, ein bißchen hiphoppig- Und das ganze im Housemantel. Klingt erstmal gut. Manch eine böse Zunge würde es Fahrstuhl- oder Loungemusik nennen, dafür fand ich es aber zu gelungen. Der jazzige Housesound gefällt. Die Samples sind schön old – school. Ein bißchen wie Jurassic 5, nur elektronischer. Würde ja prinzipiell das Prädikat „sehr wertvoll“ erhalten. Man mag es sich schon denken, es kommt ein aber. Also. ABER: Tracks haben meist einen  Klimax, eine Steigerung, mindestens eine. Die von Feindrehstar auch. Nur dass mir ihre Musik genau ab diesem Punkt nicht gefällt. Zu überladen, scheinbar ungeordnet werden Samples und Instrumente ineinander geballert. Schöne Einzelbestandteile, mäßig arrangiert. Selten hat mich eine Platte so hin und her gerissen zwischen grooven auf dem Sofa und irritiertem Stirnrunzeln. Trotzdem konnte ich sie durchhören. Spricht schon wieder dafür. Die Tatsache, dass ich das so würdige eigentlich schon wieder dagegen. Das schöne am nicht-einordnen von Musik in Genres ist: es macht gelegentlich keinen Sinn. Krautclub. So die (selbstgewählte) Bezeichnung des Genres für Feindrehstar. Steht so auf ihrer Webside. Meinetwegen. Ich würde nie behaupten, der Krautclubsound sei schlecht. Ist schon gut gemacht die Mucke der Jungs. Kann keiner bestreiten. Ich find den Ansatz auch gut, aber ab einem gewissen Punkt komm ich nicht mehr mit. Trotzdem würde ich sie empfehlen. Lohnt schon, sich mal ein eigenes Bild zu machen. Könnte ja doch noch passieren, dass Clueso von seinem ich-bin-der-einzig-gelungene-Thüringenexport-neben-Rostbratwurst-Thron gestoßen wird.

(Yuppi Buge)



Die Band der Stunde
Juli 31, 2010, 11:53 am
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Bonaparte sind in aller Munde. Arty-Punk-Rock mit urbanen Elektrosounds. Zeitgeistig. Geradeaus. Auf die 12. Für Club und Open-Air-Bühne. Matthias David hat sie Anfang Juli in einem Club gesehen und war sehr amüsiert, denn live sind Bonaparte wild, anarchisch und richtig crazy. Alles ganz verrückte Typen, die der kleine Kaiser da um sich geschart hat. Berliner Boheme-Bar25-Style mit wilden Frisuren und Tätowierungen, mit wilden Ideen und crazy Kostümen. Das Ganze fand übrigens im Rahmen der Fashion-Week statt, genauer gesagt bei der After-Show-Party des Berliner Modelabels Mongrels In Common. So viel dazu. Hier die Bilder:

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Wege nach Wilsnack, dem Glück entgegen! Weg von Millionen, hier können wir bald alleine wohnen: Brandenburg Oder Pilgern ist keine Fun-Sportart
Juli 26, 2010, 9:34 am
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Mit Pilgerstätten hatten wir es an dieser Stelle ja schon mal zu tun und man muss sagen, dass ‘Pilgern’ ein in letzter Zeit sehr inflationär gebrauchter, gehörter und angewandter Begriff zu sein scheint. Doch die Adaption bewährter und traditioneller Reinigungs- und Selbsterfahrungsformen ist durchaus legitim, wenn moderne und zeitgeistige Ansätze versagen. Wenn die Stadt zu sehr von einem frisst. Man kennt das in Berlin: Der bewegte Geist ist stets willig, doch das faule Fleisch ist schwach. Oder Geist und Fleisch sind beide schon am Arsch. Ein Umstand den es zu überwinden gilt und wenn ein Wille erstmal Funken schlägt, dann gibt es auch ein Bluwunder. Und dieses Blutwunder wurde bis zur Reformation in Wilsnack besucht und bestaunt. Und nach Wilsnack führt der Weg in die Reinigung bzw. in den Schnellwaschgang, vergleicht man das mit Routen wie der nach Santiago. Aber mühsam nährt sich das Eichhörnchen (wurden auch gesichtet) und so führte der Weg, der sich als strammer Marsch herausstellen sollte, von Henningsdorf, über Flatow, dem Storchendorf, Linum, Fehrbellin und Wusterhausen bis nach Kyritz. Wunderschön. Ruhig. keine Menschenseele. Ein Reh auf der alten Hamburger Poststraße, Lachen im Wald. Frisches Wasser aus dem Wasserhahn des kleinen Dorffriedhofs. Unglaublich schlechtes Essen. Nette Menschen. Mürrische Typen. Ein Gewitter. Die heißeste Woche in Deutschland seit Aufzeichung der Temperatur. Blasen an den Füßen. Schmerzen. Tiefe Erschöpfung. Ein unendlich weites und klares Sternenzelt. Ein See. Eine Bootsfahrt. Ein Kennenlernen. Ein Treffen im Wald, auf weiter Flur, mit sich selbst. Und plötzlich stellt man fest, wie gut wir gelernt haben uns zu verstellen. Und da wir uns zuviel zumuten, geben wir auf. So auch dieses Mal. Wundwasser statt Bluwunder. Eine letzte Nacht am See. Doch jetzt haben wir eine Ahnung und werden weitermachen. Zurück in die Stille. In die Einsamkeit. Im Herbst. Oder nächstes Jahr zur Fashion Week.

Reiseredakteur Boris Guschlbauer an der Schlafstätte im Gemeindehaus von Flatow. Ein Ort der Ruhe mit einer schönen, kleinen Kirche und mit zur DDR-Zeit mit Holztapete eingewickelten, restaurierten Orgelpfeifen. Hier ist man als Pilger willkommen und Mr. Sandow, Mitglied des Kirchengemeinderats, stets bereit einen in die Geheimnisse der kleinen Liegenschaft einzuweihen.

Schmerzen, Erschöpfung, Rast. Teresa Mohr, diese junge Frau, diese unglaubliche Musikredakteurin ist ein Vorbild für alle, die glauben, es gibt kein Leben nach dem Chillen. Es gibt nur eines davor.

Der Scheitel sitzt. Der Körper schwitzt. Auch Chefredakteure sind nur ganz normale Menschen aus Fleisch und Blut.

Der Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack



Kinder gehen immer. Dachte sich auch Kinsey. Und die katholische Kirche. Und wir. Man kann nicht früh genug anfangen sie zu schützen.
Juli 23, 2010, 3:31 pm
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HOP ORANJE!
Juli 8, 2010, 4:17 pm
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ELLESSE war smart und hat passend zum Finale der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft ihre Retro-Klassiker in orange ausgegraben. Das richtige Outfit um den Holländern für das Finale viel Glück zu wünschen. Sie hätten es ja eigentlich mal verdient.



Zu Besuch auf der c/o flop: Rundgang & Rückblick
Juli 7, 2010, 7:55 am
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Das Journalistendasein bringt viele Vorteile mit sich: Man trifft interessante Menschen, geht auf ebensolche Partys, oder zumindest solche, die dies von sich behaupten. Dank Presseausweis kommt man in en Genuss einiger Vergünstigungen wie zum Beispiel freier Eintritt in alle deutschen Museen. Und hin und wieder springt auch mal eine Akkreditierung für ein Festival raus. So zum Beispiel bei der diesjährigen c/o pop in Köln, der kleinen, aber mittlerweile sehr selbstständigen Schwester der nach Berlin verzogenen Popkomm.

Während der zeltaffine Teil der Festivalgänger am vergangenen Wochenende das schöne Wetter auf der Fusion genoss, reisten weniger campingbegeisterten Musikfreunde in Scharen in die Domstadt, um von Mittwoch bis Montag eine Auswahl der zahllosen Festivitäten zu besuchen. Unter ihnen auch eine Reihe akkreditierter Journalisten und Fotografen, für die neben Feierei vor allem auch Arbeit auf dem Plan stand.

Zu der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch kamen denn auch viele der geladenen Gäste, schließlich wurde dort strategisch günstig auch die WM-Partie Deutschland-Ghana übertragen und der Sieg der Deutschen Mannschaft machte Lust, anschließend von dort aus weiter zu ziehen. Die Auswahl war – Wochentags sein dank – recht überschaubar und der Grad der Clubbefüllung noch erträglich. Im Stadtgarten wartete Balkan-Popper Shantel mit seinem Bucovina Club Orkestar auf und beglückte eine handvoll Weltmusikfans, im Studio 672 wunderte man sich beim „Deep Vibes Showcase“ mit Sascha Dive, Ray Okpara und Dorian Paic über mangelnde Partzipationsbereitschaft – war doch eben diese Veranstaltung im Vorjahr bereits ziemlich überlaufen. Blame it on the sun, dachten sich wohl die Veranstalter, und ein bisschen auch noch on Fußball, schließlich fühlten sich viele nach der gewonnenen Partie nicht nach Party, sondern eher nach Kneipentour.

Der Donnerstag übte sich das Programmheft dann schon in Superlativen. Den Anfang machten die Franzosen von Phoenix, die gemeinsam mit James Yuill bei strahlendem Sonnenschein das Parkdeck der Kölnmesse in Deutz bespielten. Gastgeber waren die Telekom Street Gigs, der Eintritt war frei, jedoch glücklichen Gewinnern einer Verlosungsaktion vorbehalten. Wer nun auf dieser, der „falschen“ Rheinseite verweilen wollte, den zog es anschließend ins Gebäude 9, wo das bei Ninja Tunes gesignte Duo Coldcut ein „VJ-Cinema“ veranstaltete. Gesponsert von der Energy Union gab es dort Projektionen zum Thema Natur und Leben zu sehen, die live mit einer Soundcollage unterlegt wurden. Was im letzten Jahr bei Wolfgang Voigts Projekt „Gas“ den gesamten, großen Kinosaal des Cinedoms zu füllen vermochte, wollte so recht niemand interessieren. Milde Außentemperaturen luden eher zum Club- und Barhopping in der Kölner Innenstadt ein, zum Beispiel in die Opernterassen, wo die Technoveteranen von M.A.N.D.Y. bei der Get Physical Night die Masse nicht so recht zum Bleiben überzeugen wollten. Ziemlich physical gettete es dafür später im Roxy, wo die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindende Cómeme Night unter dem gefühlten Motto „Sweat, sweat, sweat“ stand. Selbst den dank ihrer südamerikanischen Herkunft an hohe Temperaturen gewöhnten Djs Matias Aguayo, Rebolledo, Diegors und Korkut Elbay standen angesichts der Raumtemperaturen der Schweiß auf der Stirn – wer bereits im Vorjahr in der Absteige unweit er Kölner Partymeile zu Gast war, wusste was ihn erwartete und kam dementsprechend leicht gekleidet. Während sich das Roxy über zahllose nasse Leiber freute, spielten im Studio 672 Jamaica vor einer, nun ja, sagen wir mal handverlesenen Anzahl von Besuchern. „It’s great to play in front of twenty people“ merkte der Sänger an – der leicht sarkastische Unterton kaum überhörbar. Diese twenty people jedoch fühlten sich selbst in den überschaubaren Räumlichkeiten des Studios leicht verloren statt zum Bleiben animiert. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, den ersten Live-Gig Chloés, der um drei im an das Studio angrenzenden Stadtgarten stattfand, vorzuziehen? Viele verschlug es nämlich zwecks Überbrückung der Wartezeit einfach in eine der angrenzenden Bars, wie zum Beispiel die Barracuda Bar, die zunächst mit geöffneter Fensterfront und anschließend mit der KI:DS Labelnight überzeugte. Nur wenige fanden anschließend den Weg zurück, einige entschieden sich stattdessen dazu, das erst 2009 eröffnete Coco Schmitz zu besuchen, in dem Schaeben&Voss, Coma und Eric D. Clark eher für leere Flaschen als für volle Gäste musizierten.

Aber mit Beginn des Wochenendes am Freitagabend würde alles besser werden, so war man überzeugt. Nachdem ein Interview mit dem wohl musikalischsten Doktor der Mathematik, Caribou, Lust auf das Spex Live Konzert mit eben jenem, sowie der Urmutter des Schwedenpops Robyn und den Opinion Leadern der Hipster Crowd Bonaparte, machte, zog zunächst das Spiel Brasilien-Portugal zu Unrecht das Interesse auf sich: 90 Minuten reinste Langeweile. Schlau war, wer zwecks WM-Public-Viewing den Biergarten des Stadtgartens aufsuchte und auch dort verweilte. Bei Spex Live im Gloria hieß es nämlich bereits um halb zehn: Einlass nur mit Ticket, nicht mit Bändchen. War man zunächst davon ausgegangen, dass der gelb leuchtende Schmuck am Handgelenk dem Normalsterblichen den Status eines V.I.P.s sichern und den Weg in jeden Club ebnen würde, hier wurde man eines Besseren belehrt und bekam einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Tagen zu erwarten war: verschlossenen Türen. Wenigstens der Stadtgarten zeigte sich kulant und so durfte man im Studio einem bezaubernden Konzert der Leipziger Band Good Guy Mikesh beiwohnen, deren Debütalbum im September diesen Jahres erscheinen wird und die in der Sängerin der oben im Stadtgarten souverän performenden Band Bonjay bereits einen großen Fan gefunden hat.

Freunde der härteren Spielart von Tanzmusik kannten indes nur ein Ziel: Die Kompakt 3000 Party in der Papierfabrik. Und wie viele Freunde kamen! Die Partylocation fasst rund 2.500 Menschen, und fast ebenso viele pilgerten auch nach Ehrenfeld. Da dies absehbar war, hatte sich der Eintrittspreis gewaschen: 20 Euro – für senstionelle Acts wie Gui Borrato, Walls, Matias Aguayo und Ewan Pearson hätte man sicher noch mehr verlangen können. Wer 70 Euro für ein Festivalticket bezahlt hat, legt doch bestimmt gerne noch etwas drauf! Und Superpitcher sieht man in Köln ja auch nicht alle Tage! Die schlauen Füchse sichert sich schon mal einen Platz auf der taschenbuchdicken Gästeliste, ansonsten hieß es am Eingang: leider kein Einlass mit gelbem Bändchen. Der Frust war groß, noch größer jedoch wurde er, wenn es nun doch gelang, in die heiligen Hallen vorzudringen und man sich dort durch einen schier unermäßlichen Haufen verschwitzer Dorfraver zu quetschen. Glücklich der, der Zuhause geblieben!

Neben dem Publikum der Kompaktparty wirkten die Besucher der wegen des deutschen Achtelfinalspiels am Samstag stattfindenden Pollerwiesen gerade zu grundsympathisch, obwohl es doch gerade diese Wald- und Wiesenraver sind, die sich oftmals für das Fortbleiben der fashiongeneigten Feierszene verantwortlich zeigen. Zur Vintage PollerWiesen, seit Jahren erstmals wieder auf dem namensgebenden Areal nahe der Südbrücke stattfindend, reisten nicht nur Jünger der ersten Stunde wortwörtlich mit Kind und Kegel (oder Federball) an um unter dem Motto „Unser Sommer“ durch eben diesen zu tanzen. Der Eintritt war frei und somit wurden mitgebrachte Moneten in Flüssignahrung umgesetzt, während Local Hero David Hasert in dunkelblauem Unterhemd optisch den Vergleich mit Überraschungsgast DJ Hell provozierte. Zu den südamerikanischen Klängen von Reboots „Caminando“, meisterhaft inszeniert durch Tobi Neumann, kreisten Bierbäuche und Hausfrauenhüften und verbreiteten Beachpartyflair auf den Rheinwiesen.

Während man anschließen im Gloria bei der „Smile vs. Deep“ verzweifelt auf den Rest der Raver wartete und in Erwartung des unüberschaubaren Massenandrangs präventiv Bändchenträgern den Einlass verweigert und daher zu später Stunde in kleiner Runde feierte, gelang der Partyreihe Rote Liebe ein Supercoup. Offiziell nicht zur c/o pop zugehörig, hatten die Veranstalter sich strategisch smart den Jugendpark – der angestammten Pollerwiesenarea – gesichert und locke alles, was den Tag ohne Sonnenstich überstanden hatte, zum tanzen. Wenigstens war hier schon zuvor klar, dass vor dieser Tür alle gleich (zum Zahlen gezwungen) sein würden.

Vom lauter vor verschlossenen Pforten stehen gefrustet, tat man am Sonntag gut daran, nach gewonnenem Achtelfinale sich dem Autokorso anzuschließen oder zumindest grölend durch die Innenstadt zu rennen, auch wenn man sich im Stadtgarten Munk & Telonius und Die Sterne hätte anschauen können – wäre man früh genug dort gewesen oder hätte auf der Gästeliste gestanden, so munkelte zumindest die Gerüchteküche. Viele traten daher nicht einmal mehr den Weg an.

Am Montag bewahrten die drei schmucken Jungs von Aufgang den letzten Tag c/o pop vorm Untergang. Selten zuvor hat man Pianisten derart durchdrehen sehen. Auch wenn das Grand der Masse eigentlich wegen Bugge Wesseltoft & Henrik Schwarz gekommen war, die vor allem durch Comedian-Qualitäten überzeugten, herrschte abschließend Einigkeit darüber, dass Aufgang von sich behaupten kann, das Highlight der diesjährigen c/o pop gewesen zu sein. Darüber hinaus wurde bei dieser Veranstaltung auch vorab kommuniziert, dass eine separate Akkreditierung für den Einlass von Nöten war.

(Frederike Ebert)



10 mit Cris Alexis

Die obersten zehn Promos vom vorsortierten Haufen nehmen, den neuen und neuesten Scheiss, und in den Zug Richtung Esslingen bei Stuttgart steigen. Dort treffe ich Cris Alexis, der zur Zeit seine ersten Ausstellungen für den Herbst in Barcelona und Berlin vorbereitet, also Farbe auf Leinwand knallt beziehungsweise auf gelbe Säcke und Styroportafeln. Puppen macht er jetzt übrigens auch noch. Zwischen viel Farbe, umgeben von Dämonen und Fratzen die von Leinwänden starren, unter einer im Raum hängenden Puppe im Bondage-Look und bei gefühlten vierzig Grad legen wir irgendwann die CDs ein. Eine nach der anderen. Die Presseinfos legen wir zur Seite. Auf einer sollte später ein Gedicht enstehen, ein kryptischer Verweis auf Rauch- und rauschgeschwängerte Album-Analysen und auf die Frage wie das in die Welt passt. Das Setting stimmt, also Cris, was hälst du davon?

1.
Smooth „The Parade“
Das ist feines Sampling. Die besten Beats gibt es schon lange nicht mehr im HipHop. Erinnert an frühe 90-er BigBeat-Sachen, wie ein Update auf Leonard Cohen. Aber da steckt alles drin, hipper Shit wie Mando Diao, aber auch die Gorillaz hätten mal so einen Song machen können bzw. eigentlich machen sollen, denn diese Scheibe von Smooth ist großartig.

2.
Féloche „la vie cajun“ (Ya Basta!)
Extrem hohes Niveau diese Produktion. Auch hier muss man sagen, dass die besten HipHop-Beats mittlerweile nicht mehr im HipHop passieren. Ein französischer Beck, auch wenn mich die Gesangsperformance nicht hundertprozentig überzeugt, da geht noch mehr. Da fehlt ein bisschen der rote Faden, die Vocals schwingen manchmal so beliebig mit. Natürlich ist das ganze auch ein Chanson-Hipster-Eelektro-Clash.

3.
Kat Frankie „The Dance Of A Stranger Heart“ (Zellephan)
Drei Songs und raus. Dann lieber Alev Lenz.

4.
Herrenmagazin „Das wird alles einmal dir gehören“ (Motor)
Ich weiss, dass man auch so hätte sozialisiert werden können, dass man so was mag. Ich finde das sehr deutsch. Ich glaube sowieso, dass es so typisch deutsche Musik gibt, Tocotronic, Tomte und wahrscheinlich auch Herrenmagazin. Aber ich bin weniger mit Gitarrenmusik groß geworden. Bei mir waren die Weichensteller RZA, DJ Shadow, DJ Vadim oder in Städten gesprochen: Marseille und NY, so 94, 95.

5.
The Pharmacy „Weekend“ (Seayou)
Richtig gut. Gesang dilletantiert in Richtung Pete Doherty, die Musik zuweilen auch. Krachige Produktion, sehr retro, aber modern. Eine richtig gute Scheibe, anachronistisch. So wie Vampyr Weekend. Nur genau anders. Wie die zwei Seiten der Beatles. The Pharmacy sind mehr so die Wall Of Sound.

6.
PVT “Church With No Magic” (Warp)
(Hilfloses Achselzucken) Rick Rubin meets „99 Problems“, 80er-Retro-Wave. Erinnert mich an Suicide. Aber nicht vergleichbar, das war viel innovativer. (Skipt durch). Oh Gott, jetzt ist alles anders, stressiger, trashiger Elektro-Noise mit ein bisschen Industrial a la Nine Inch Nails. Viel Ambient. Viel Atmosphäre. Eher die Kunstabteilung. Will stören, aber stört nicht genug.

7.
Andreya Triana „Lost Where I Belong“ (Ninja Tune/ Rough Trade)
Soul-Jazz, aber warten wir mal was da noch kommt. Oh, das ist so voll der Lauryn Hill „Misseducation“-Vibe. Ist eine nette Pathos-Geschichte, aber ein bisschen zu nett. Kein richtiger Tiefgang. Für einmal hören ganz schön. Mehr nicht.

8.
Who Knew „Bits and Pieces Of A Major Spectacle“ (Devil Duck)
Besser als Empire Of the Sun, schlechter als MGMT. Auf jeden Fall rockiger als die beiden erwähnten. Man kann auf jeden Fall nicht sagen, dass das eine Scheiß-Produktion ist.

9.
Teenagers In Tokyo „Sacrifice“ (Backyard/ Ada Global)
Pressefoto sagt mir sofort zu, auch wenn der einzige Typ drauf stört. Die Mädels sehen fast Casting-like aus: Asiatisch, indisch, eurasisch. Der Opener ist super, lebt von der simplen Bassline. Dann wird’s schwächer.

10.
Fallulah „The Black Cat Neighbourhood“ (RCA/ Sony)
Für Fans von Roisin Murphy, aber weniger elektronisch, dafür mehr in Richtung MTV-Shit das Ganze. Läuft aber auch auf Motor FM. Musikalische Weltklasse im Vergleich zu Lady Gaga. Stichwort Paloma Face, M.I.A. light.

Die 5 zuletzt gehörten Songs auf dem Ipod von Cris Alexis:
George Jackson „Aretha, Sing One For Me“
Jae Mason “Little Girl”
Ghostface „The Sun“ (Bootleg Version)
Screamin’ Jay Hawkins “Put A Spell You”
Baja “Xastlotk”

Mehr über Cris Alexis und seine Ausstellungen demnächst auf www.blank-magazin.de
(T&B: EB)



Public Viewing Berlin – die besten Szenespots, treffe alte und finde neue Freunde, sei gesellig, sei Fan. Oder fühle dich einsam und allein.
Juni 30, 2010, 1:27 pm
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KRACH AM KANAL mit LAING, Donnerstag 01.07.
Juni 28, 2010, 12:21 pm
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Und wieder heißt es KRACH AM KANAL und BLANK proudly presents: Zu Gast an diesem Donnerstag, den 01.07., sind die wunderbaren und wunderschönen LAING aus Kreuzberg: vier Mädchen im stilsicheren Disko-Großstadt-Mix. Hier wird getanzt und gesungen und auch auf die Bühnenoutfits kann man gespannt sein. Eigentlich schon längst kein Geheimtipp mehr. Beginn wie immer, irgendwann wenn es dunkel wird. Mehr.Noch mehr.