Gespeichert unter: Reisen, vor ort | Schlagworte: Backpacker Stettiner Haff, Boris Guschlbauer, Ostsee, Usedom

Montag Morgen. Im Büro des Blank Magazins herrscht die Schläfrigkeit nach einem mit Drogen durchfeierten Wochenendes. Im Innenhof spielt eine leichte Brise mit den Blättern der Akazie. Außerhalb des Büros ist absoluter Sommer, im Inneren Neonlicht und Elektrosmog. Keine Frage, ich muss raus hier, ans Licht, das Abenteuer ist anderswo.

Unter dem Vorwand eine Schachtel Kippen zu holen, steige ich in die Atombunkeranlagen des Blank Magazins hinab, fülle den Eastpack Rucksack mit diversen überlebenswichtigen Reiseutensilien und robbe dann unbeobachtet unter dem Tisch zwischen dem träumenden Chefredakteur und der Grafikerin, die ihrer Namensvetterin Romy (Schneider) an Attraktivität in nichts nachsteht, hinaus an die Freiheit. Natürlich will ich ans Meer, der absolute Quell meiner Sehnsucht, habe aber kein Geld -Reiseredakteure sind schließlich keine Manager der Deutschen Bank- und muss deshalb laufen. Wie weit es zur Ostsee ist, keine Ahnung, viel zu spät erinnere ich mich daran, dass ich das Garmin Outdoor GPS in der Seitentasche des Rucksacks verstaut habe. Aber ein Durchblick zerstört sowieso jegliche Spontaneität und den habe ich noch nie besessen.


Kaum den grauen Plattenbauschluchten der Vororte von Berlin entkommen, beginnt der undurchdringliche Dschungel, wie man ihn eigentlich entlang des Äquators in Südamerika kennt. Mit der versilberten Klinge (Werwölfe gibt es schließlich überall) meines Herbertz Taschenmessers bahne ich mir wie mit einer Machete einen Pfad durch die grüne Hölle. Treffe ich dabei nach Stunden absoluter Einsamkeit auf Eingeborene, frage ich nach Proviant, erhalte aber immer dieselbe Antwort: „En Bäcker? Jibts hier nich mehr. Aber übermorjen kiemt en Bäckerfahrzeuch vorbee.“
Natürlich will ich keine Tage in einem von fast allen und allem verlassenen Indianerdorf vergeuden, in dem es nur zweimal die Woche frische Schrippen gibt, geschweige denn eine geöffnete Kneipe, rücke deshalb meinen Camel Active Tropenhelm tiefer ins Gesicht und schleppe mich weiter voran in die gefühlte Richtung Meer.


Die Tage ziehen in das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und die Moskitos zerstechen meine Arme, Beine und machen selbst vor meinem Penis beim Stuhlgang im Dschungel nicht halt. Ich schlucke mehrere Katadyn Micropur Forte Wasserreinigungstabletten, in der Hoffnung, sie wirken wie Malarone gegen die Malaria. Meine Klamotten stinken nun wie eine Rotte Wildschweine aus der Uckermark, nur die Icebreaker Socken halten das was sie versprechen und riechen auch nach Tagen nicht. Sehr schön, aber leider kann man sie aus diesem Grund nicht als Abwehr gegen durchtrainierte Kannibalen verwenden, die kurzrasierte Haare haben, Polohemden tragen, Blut aus Bierflaschen trinken, an Tankstellen abhängen und laut Endstufe hören.


Mein Wasservorrat aus der Saskiaquelle ist seit Tagen aufgebraucht und die Travelcocktails in Pulverform habe ich längst schon vor den Toren der Hauptstadt in Vodka aufgelöst und getrunken, als ich dem Verdursten nahe im Dschungeldorf Glambeck tatsächlich auf Leben treffe. Hier haben ein paar Mädchen und Jungs mit Predator Dreadlocks der konsumierenden Zivilisation abgeschworen und sich zwischen Mammutbäumen ihr eigenes Opernhaus errichtet. (mehr…)
Während die meisten brave Bürger montags fleißig in eine harte Arbeitswoche starten, startet Boris mal wieder durch. Gerade erst seit ein paar Wochen zurück in der Hauptstadt, schon zieht Hänschen Klein erneut hinaus in die weite Welt. Und zwar in Forest-Gump-Manier: Lauf, Boris, lauf – von Berlin nach Usedom. Wer regelmäßig seinem Gezwitscher lauscht, der weiß, dass unser Vagabund kurze Zeit nach seinem Aufbruch noch eine kleine Rast gemacht hat, um seine natürlich beachtliche Wadenmuskulatur durch reichlich Kohlenhydratzufuhr für den langen Marsch zu stärken. Boris gönnte sich in Biesenthal ein Bierchen und: Falafel.
Ob da wohl Erinnerungen an seine letzte Tour in den Iran in ihm hochkamen? Falafel stellten da quasi den Hauptbestandteil seines Speiseplans… Der gute Boris hat zwar kein Problem damit sein Nachtlager mit blutsaugenden Insekten zu teilen, sich mit Macheten durch den Dschungel zu schlagen oder mit Bären um einen Bienenkorb zu kämpfen. Aber nur äußerst ungern würde er seine Zähne in die mal mehr, mal weniger zarten Fasern eines Koteletts oder Artverwandtem schlagen: Boris ist nämlich Vegetarier.

Bei der letzten Reise wurde sein tierliebes Herz auf eine harte Probe gestellt: Drupp vom tagelangen Fieber geisterte der Mann mit der Terroristenmatte durch das idyllische Isfahan auf der Suche nach etwas Essbarem, das seinem von Schwitzen und Kotzen ausgezehrten Körper etwas Kraft zurückgeben möge. Des lokalen Dialekts, sprich des Persischen, nicht mächtig orderte er ein Pizza-ähnliches Gerät in der Hoffnung, es möge sich bei min bunten Farben schillernden Belag um hauptsächlich Pflanzliches handeln. Doch da irrte er……. Vielleicht das für ihn persönlich dunkelste Kapitel seiner Reise, auf alle Fälle das umdunkeltste – Fieber sei Dank. Mittlerweile ist Boris wieder in Vollbesitz zumindest seiner körperlichen Kräfte, wie sein Marschtempo (60 km in eineinhalb Tagen!) beweist. Wer wissen will, ob Boris unterwegs nach Usedom vielleicht doch noch vor lauter Hunger zum Fleischfresser mutiert und mithilfe seiner Reisegadgets auf Entenjagd geht, guckt hier.
Wer mehr Geschichten von Boris iranischer Individualreise – mitsamt aller schlüpfrigen Details! – erfahren will, liest die nächste Ausgabe BLANK.
Gespeichert unter: Reisen, Werbung | Schlagworte: Boris Guschlbauer, Mecklenburg-Vorpommern, Ostsee

Erst vor wenigen Wochen kehrte Boris Guschlbauer zurück aus dem Iran (mehr darüber im nächsten Heft) und auch sonst hat Guschlbauer schon viel von der Welt gesehen, so könnte man ihn als Extrem-Individual-Reisenden beschreiben, den auch die unwirklichsten Reiserouten nicht erschrecken, wie jetzt zum Beispiel das Durchqueren von Mecklenburg-Vorpommern. Natürlich haben wir ihm als unseren neuen Reiseredakteur auch jede Menge Reisegadget mitgegeben, die sich als nützlich erweisen könnten und die es zu testen gilt. Wolfabwehrspray, Wasserreinigungstabletten, GPS-Navi, Stirnleuchte, Bärenfalle, Instantcocktails und Signalpistole. Wer alles und mehr aus 1. Hand erfahren möchte, kann Boris Guschlbauer ab jetzt auf Twitter folgen.

Gespeichert unter: HEFT ZWEI | Schlagworte: Boris Guschlbauer, Dehli, Reiseprosa
Teil zwei der Prosa-Reihe. Unser Autor Boris Guschlbauer berichtet aus Indien. Vishnu, Glyzerin, Erfahrungen vom Subkontinent.