Gespeichert unter: Anmerkungen, Film/TV/YouTube und Co. | Schlagworte: Daniel Brühl, Florian Gallenberger, Freitag, Jon Rabe, Nazi-Filme, Steve Buscemi, Stolz der Nation, Tarantino, Ulrich Tukur
Man kommt eigentlich nicht mehr mit, wenn es um Meinungsvielfalt und Minderwertigkeitskomplexe geht. Doch manchmal offenbaren sich Schwächen und Gefahren derart eklatant, dass man sich selbst, die eigene Verwunderung und das Gelesene und dabei Gefühlte einer genaueren Betrachtung unterziehen sollte. Auch wenn es zuweilen etwas wirr erscheint. Schnell überkommt einen die Vermutung, Dinge laufen in die falsche Richtung, weg von dem, was wichtig und richtig ist, weg von einer Betrachtungsweise, die es ermöglichen könnte, wenigstens eine Gemeinsamkeit zu entdecken.
Natürlich, in „John Rabe“ von Florian Gallenberger geht um Befindlichkeiten. Es geht um deutsche Geschichte. Um deutsches Kino. Um Nazis und vermeintliche Gutmenschen. Es geht in diesem Film allerdings nicht um einen „guten Nazi“, das wäre eine Frage der Qualität, von Motivation, Gehorsam, Verinnerlichung und Gefolgschaft. Das Bild des „guten Nazis“ war nie eins. In „John Rabe“ geht es vielmehr um eine Geschichte, die erzählt und beschreibt, wie Menschen in Notsituationen Prägung, Verlockung und Gefahrenpotentiale über Bord werfen können und anfangen, so zu handeln, dass es allem Anschein nach eine Situation verbessert, dass es Leben, die nicht unbedingt Teil des eigenen sind, rettet und deren scheinbar moralisches Handeln sich nicht aus den gegeben Umständen erklärt.
Aber stürzen wir uns auf den gegenständlichen Anlass der Verwunderung, einem Artikel bzw. einer Filmkritik aus der Wochenzeitung Freitag vom 01.04. 2009 über den im April bereits angelaufenen Film „John Rabe“, mit Ulrich Tukur, Daniel Brühl und Steve Buscemi in den Hauptrollen: „Traurig ist das deutsche Kino, wenn es von Größe und Glanz träumt und seinen sehnsüchtigen Blick immer nur nach Hollywood richtet. Man kann Hollywood für vieles verachten, aber wenn es sich auf etwas versteht, dann ist es die Produktion von Stars und Effekten, von großen Namen und viel Brimborium. Auch das muss man nicht mögen; armseliger als aller Brass ist aber der Versuch, Hollywood zu imitieren mit geringeren Mitteln.“ Ok, so weit so gut. Doch dem nicht genug, fröhlich wird weiter gewettert: „Florian Gallenbergers Film „John Rabe“ ist ein Lehrbeispiel für die Kümmerlichkeit der scheinbar kühnen Ambitionen vom großen deutschen Kino“. Wer hat diese kühnen Ambitionen formuliert? Sind Filme wie „Keinohrhasen“ und „1 ½ Ritter“ auch Teil dieser kühnen Ambitionen? Oder nur „Der Baader-Meinhoff-Komplex“? Oder „Das Leben der Anderen“, eine Geschichte, die ebenso von Wandlung und moralischer Einsicht eines Deutschen berichtet? Oder die Preussler-Verfilmung „Krabat“, die nicht nur in Deutschland mehr als eine Million Besucher in die Kinos lockte, sondern auch weltweit, von Tokyo bis Novosibirsk, zu sehen war? Ich kann keine kühnen Ambitionen erkennen.
Ich sehe nur ein Zusammenwachsen, ein Austauschen und ein Lernen, die Versuche mit Bildsprache und Sehgewohnheiten zu spielen, um Geschichten (mehr…)
Gespeichert unter: Werbung, politik, vor ort | Schlagworte: 2.0, Community, Freitag, Jakob Augstein, Sascha Lobo, Wochenzeitung
Die Wochenzeitung freitag ist seit gestern 2.0. Die kritische und politisch noch immer links positionierte Zeitung wurde nicht nur in ihrer Print-Version einer Lebenszyklusmaßnahme unterworfen und erstrahlt im neuen Look und Layout, speziell das Online-Angebot wurde dem heutzutage üblichen Kommunikationsflow angepasst. So finden sich zwischen Bannern die für Autos, Rasierapparate, Pauschalreisen, Mobilfunkverträge oder Zeitungsabos werben, eine Fülle an Kategorisierungen, nach denen Beiträge eingestellt und platziert werden können. Auch Sascha Lobo konnte unfreiwillig als Testuser gewonnen werden, was zeigt, dass die Zielsetzung der Herausgeber bzw. von Verleger Augstein, vielleicht dem linken Partei-Diskurs- und Duktus die unverbindliche und noch neugierige Twitter-, Blog- und Comment-Mentalität einer politisch weniger in der Vergangenheit verhafteter Generation entgegenzusetzen, eine, wenn tatsächlich gewollte, richtige Entscheidung war. Ob das letztendlich mehr sein kann als Entertainment, ist eine andere Frage, denn irgendwann muss sich zeigen, ob die Nutzung eines Mediums, ganz gleich welche Sujets behandelt, welche Ziele verfolgt oder welche Ideale proklamiert werden, egal ob Pokerstars.com, Project Entropia, aktivistische Bestrebungen jeglicher Art oder gesellschaftspolitischer Diskurs, nicht dazu führt, dass von der Welt abgekoppelte Innenwelten entstehen, deren scheinbar logische Erkenntnisgewinnung nicht auf real-existierende Umstände übertragen werden kann. Aber erstmal wünschen wir dem Freitag einen guten Start in seine neue Zeit.
