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Berlin, Hamburg, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart und München. Das sind die diesjährigen Stationen des Fantasy Filmfestivals 2009. Für die so kultivierte Arthouse-Kino-Generation fällt unter die Kategorie „Fantasy“ bestenfalls Alice im Wunderland oder Graf Dracula, womit auch zu erklären wäre, warum das Festival bis dato so unbeachtet blieb.
Dass das Fantasy Genre weit mehr zu bieten hat als grobmotorische Zombies, menschenfressende Pflanzen und aufgewärmte Geistergeschichten, das beweist das FFF bereits seit 2004. Dieses Jahr beglückt uns unter anderen Chloe Sevigny in The Killing Room, womit das Vorurteil Fantasy Film sei ohne Anspruch endgültig entkräftigt wäre.
Datum:
19.08. – 26.08. Hamburg
18.08. – 26.08. Berlin
26.08. – 02.09. Köln und Frankfurt
27.08. – 03.09. Nürnberg
02.09. – 09.09. Stuttgart und München
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Bellissimo!
Gianni ist chronisch pleite, lebt mit Mitte 40 noch immer mit seiner Mutter unter einem Dach und steht moralisch knietief in der Kreide bei zwei seiner guten Freunde. Die nutzen das aus und halsen dem Geplagten über die Feiertage ihre Mütter und eine nicht abgesprochene Tante auf. So viel zum Topos, von „Das große Festmahl im August“. Während Gianni also alle Hände voll zu tun damit hat, die Marotten, die gesundheitlichen und psychischen Besonderheiten, sowie kulinarischen Vorlieben der vier Damen zu berücksichtigen, entspinnen sich rührend bis komische Situationen zwischen Fernsehzimmer und Küche. So flüchtet Marina, nachdem ihr der Fernseher entzogen wurde, und sie sich stundenlang schmollend in ihrem Zimmer eingeschlossen hat (spätestens hier rentiert sich der Originalton mit Untertitel, denn Giannis flehentliches bis lächerliches „Marina!?“ ist unersetzbar), heimlich aus der Wohnung. Gianni findet sie schließlich in einer Bar und hat seine Mühe, die von Pubertätssymptomen gezeichnete Oma ins Bett zu bringen und sich ihrer Annäherungsversuche zu erwehren.
Dies ist einer von den vielen Momenten des Films, die auf eindrucksvolle Weise die Ambivalenz aus altersbedinger Schrulligkeit und kindlich-pubertärem Gebaren älterer Menschen aufzeigt; einer der Momente, in denen uns die äußerst direkten und auf eigensinnige Weise charmanten Protagonistinnen des Filmes von Regisseur Gianni Di Gregorio, der sich neben seiner Rolle als Gianni auch gemeinsam mit Simone Riccardini für das Drehbuch verantwortlich zeigt, beweisen, dass mit zunehmendem Alter keineswegs Lebenslust und Neugier schwinden müssen. Im Gegenteil, die alten Damen blühen im Laufe der Zeit, die sie miteinander verbringen, förmlich auf, gewinnen an Dynamik. Der Eindruck dieser Entwicklung wird durch die Filmmusik, die in den 75 Filmminuten eine ähnliche Veränderung durchmacht, verstärkt. Ist die erste Hälfte der Geschichte noch von folkloristischen, gemächlichen Klängen ge-und bezeichnet, so überrascht das Ende mit frischen, positiven Elektrosounds.
Zahlreiche Nahaufnahmen und der halbdokumentarische Stil fördern die zunehmende Identifikation mit den Damen und Gianni, man möchte sich weniger vorstellen, dass der Film bald vorbei sein könnte, sondern eher der Fünfer-WG, die unter anderem durch ihre Liebe zum guten Essen zusammengefunden hat, weiter bei ihren Frotzeleien und Liebeswürdigkeiten zusehen, am Besten stundenlang.
„Das große Festmahl im August“ startet Anfang April im Kino und wird auf der Berlinale unter der Kategorie „Kulinarisches Kino“ am Wettbewerb teilnehmen.
(TM)