Gespeichert unter: Anmerkungen, Gossip, Musik | Schlagworte: Die Möglichkeit einer Insel, Iggy Pop, Jazz, Michel Houllebecq, Musik
Good Morning, Mr. Pop
Iggy ist immer noch hungrig. Nach jahrzehntelangem Geschrammel inklusive vollgepisster Bühnen und Selbstverstümmelungen probiert sich crazy Iggy an einer Disziplin, die ihm Zeit seines Lebens eher fern war: Zurückhaltung. Nicht mehr mehr volle Pulle Punk, sondern: Jazz.
Ihr mögt euch wundern, aber Iggy nennt Rockmusiker heute „idiotische Wüstlinge“ (musikexpress.de), von solcher Grenzenlosigkeit will der ehemalige Wutklumpen nichts mehr wissen. Er widmet sich lieber dem Komponieren gepflegter Melodien. Darauf ist Iggy natürlich nicht von ganz allein gekommen, Inspirationsanstoß bot das Angebot, Musik für eine Dokumentation über Michel Houllebecq beizusteuern. Diese begleitet den französischen Autor bei der Arbeit am Drehbuch zu seinem Roman „Die Möglichkeit einer Insel“.
Das Buch hat sich eben auch thematisch auf das Album „PRÉLIMINAIRES“ ausgewirkt – laut Iggy Pop verlangte die Geschichte nach Jazzballaden. So einfach kann das sein…Zwischen Ende April und Anfang Mai ist das Endergebnis zu erwarten. Wir sind gespannt.

Der Prinz erobert Neuland
(TM)
Gespeichert unter: Anmerkungen, Musik | Schlagworte: Björn Kleinhenz, Indie, MOHNA, Musik, Myspace, Songwriter
Diamantenfieber
Myspace ist mein Freund. Es hilft, Kontakte zu pflegen, die man aufgrund von räumlicher Entfernung oder beruflicher Verpflichtungen einbrechen ließe, wären da nicht die unseltenen Gelegenheiten zwischen Recherche und Meeting oder Nasepopeln und Mittagspause, in denen man sich immer wieder unwillkürlich dort wieder findet, im „eigenen“ Raum, und guckt. Danach, wer denn in der letzten Zeit besonders vernachlässigt wurde, Geburtstag hat/te, jetzt in Angola Elefantenwaisen aufzieht…vielleicht macht es derjenige einem sogar leicht, und hat schon einen Kommentar auf der Profil-Pinnwand (oder wie heißt das Ding im Fachjargon?) hinterlassen.
Lange Schreibe, wenig Sinn. Eigentlich sollte dies nur eine kurze Einleitung werden, denn tatsächlich möchte ich im Folgenden die Möglichkeit lobpreisen, mit der Hilfe von Kumpel Myspace, der als Wirt für sämtliche brotlosen Musiker des Globus fungiert, eben diese gebeutelten Kreaturen zu finden und gegebenenfalls für ihre Taten zu belohnen, indem man lauscht und weitersagt.
Beispielsweise ist die Stimme der Hamburger Songwriterin MOHNA dank der inzestuösen Strukturen von Myspace an mein Ohr gedrungen. Nämlich weil „Quartett-Booking“ mein Freund sein wollte. Bevor man solch einer Anfrage zusagt, informiert man sich natürlich vorher auf dem Profil des Freundesanwärters – über Vorlieben und Abneigungen, vielleicht kennt man jemanden der Freunde….nein, tut man nicht. Aber MOHNA sieht interessant aus.
Meine Vermutung bestätigt sich. Das Fräulein sieht nicht nur interessant aus, sondern singt mit kindlicher Stimme schöne, ganz leise Lieder mit spartanischer Instrumentalisierung und malt bunte, ein wenig ungelenke, kindlich wirkende Bleistiftbilder, manchmal funkelnde Diamanten, manchmal verstörend naive Abbildungen menschlicher Innereien. Oder Füchse. Das gefällt mir. Und noch bevor ich die Freundesanfrage der Booking-Agentur beantworten konnte, habe ich Freundschaft mit MOHNA geschlossen. Freundschaft im Herzen, nicht im virtuellen öffentlichen Raum.
Trotzdem, man sollte sie dort mal besuchen, ihrem Platz im virtuellen öffentlichen Raum. Oder am 15. März im NBI in Berlin vorbeispazieren, dann spielt MOHNA dort nämlich zusammen mit Björn Kleinhenz und LIGER.

(TM)
Gespeichert unter: Anmerkungen, Musik, vor ort | Schlagworte: Erlend Oye, Fashion, Geoff Mc Fetridge, Indie, Musik, The Whitest Boy Alive
Hand in Hand ins Happy-Land

Hach war das schön! Gestern präsentierten The Whitest Boy Alive ihr neues Album „Rules“ der Öffentlichkeit. Man hatte das richtige Händchen, marketingtechnisch ging der Plan, über den Myspace-Blog in die Berliner Max Beer-Straße einzuladen, voll auf. Im dort ansässigen ic!Berlin-Store hielten die Herren um Mastermind Erlend Oye für den Zeitraum von zwei Tagen eine kleine Ausstellung der Arbeiten von Goeff Mc Fetridge, der sich für das Artwork von The Whitest Boy Alive verantwortlich zeigt, bereit.
Dazu gehörten natürlich auch Merchandise-Artikel und das gestern erschienene Album auf Vinyl und CD. Geschickt eingefädelt, denn nach diesem Konzert, das jedem der unzähligen Besucher ein entrücktes Lächeln ins Gesicht zauberte, war so mancher nicht nur vielleicht sofort bereit dazu, in Zeiten der Finanzkrise das Geld für einen Tonträger oder T-Shirts aus dem Portemonnaie zu kramen, sondern auch, und das ganz sicher, seinen Freunden von diesem Erlebnis und der damit zusammenhängenden Band zu erzählen.
Das gönnt man den Boys aber auch. Denn wie sie da im Schaufenster standen, allen voran ein kindliches Vergnügen ausstrahlender Erlend Oye, unsere Ohren mit sonnenwarmer Musik füllten, die nach Libellen, Sand und Softeis klang und die strahlende, wippende und enthusiastisch klatschende Indie-Crowd mindestens einen Zentimeter über dem Boden schweben ließen, da hatte man sie einfach lieb.
Gespeichert unter: Gossip, Musik, vor ort | Schlagworte: Check The Rhyme, Musik, My Adidas, Oldschool, Rap
Hip Hop You Don’t Stop oder I Love My Adidas
Wir konnten es beim Erblicken der Plakate kaum glauben, in zwei Wochen sollte sich ein wahres Hip Hop-Jahrhundertereignis abspielen. Oder wie sollte man ein Konzert klassifizieren, das die größten Hip Hop-Helden der Neunziger vereint, das Oldschool in Reinform serviert? Die Check The Rhyme-Tour, organisiert von der Frankfurter Agentur Solar Penguin, bot am 18.02. folgendes Menü: Vorspeise: Beatnuts, Zwischengang: Jeru The Damaja, Hauptgang: Da Alkaholiks, gefolgt vom Dessert: Lords Of The Underground. Als Gruß aus der Küche gab es zwischendrin Paris und ganz am Anfang Mystic Roots.
Für Fans von Oldschool-Rap ein Konzertereignis der Superlative, weshalb die Maria als Location vielleicht auch wenig zu klein gewählt war, spätestens ab dem Erscheinen des zweiten Acts litt man unter kontinuierlicher Atemnot.
Zum Publikum – Hip Hop scheint immer noch eine Männerdomäne zu sein, die Frauenquote lag bei maximal 20%. Besonders auffällig: Die Frequentierung der Toilettenräume. Die Schlange vor dem Männerklo war tatsächlich länger, als bei den Damen, was, wie ich mir bereits bei einer anderen Veranstaltung von einer älteren Harndrang-Mitbetroffenen hatte erklären lassen, sonst wohl nur auf der Wies’n vorkommt. Bei meinem Aufenthalt in den vorderen Reihen konnte ich gleich gar keine andere Frau ausmachen.

Gespeichert unter: Musik | Schlagworte: Indie, Klez.e, Musik, Tobias Siebert
Und jetzt sieht er wieder kurz aus wie Kevin Shields von My Bloody Valentine, wie er da selbstvergessen seinen Oberkörper im Takt dieses weißen Rauschens von ineinander verwobenen Gitarrenwänden vor und zurück schmeißt. Es ist der Spätsommer 2006. Draußen glühen die Steine von Berlin noch im letzten Abendlicht und hier drinnen verwandelt diese Band gerade mit ihrer Musik einen klinischen Raum des neuen Prenzlauer Bergs in eine gleißende Kathedrale. Einiges in meinem Leben hat sich in den letzten Wochen und Monaten überschlagen und gedreht. Wohnort, emotionale Bindungen und Gedankenwelt. Ich bin alleine hier heute Abend. Bewusst. Also klammere ich mich an mein wohl schon drittes überteuertes Bier und singe still aus voller Kehle mit: Wir sind alle nur zum Leben hier! Die anschließende Nacht verbringe ich dann mit Gehen. Alles, was mich in den letzten Monaten schier zur Verzweiflung getrieben hatte, fiel auf einmal wieder in eine unerwartete Ordnung. Im Gehen in dieser Nacht wusste ich zum ersten Mal seit Äonen wieder, wo ich war und was ich wollte. Es gibt diese Momente. Man hört etwas. Ein paar Zeilen nur. Vielleicht auch falsch verstanden, aber sie lösen etwas aus. Auf einen Schlag versteht man wieder anders, vielleicht richtig. Der Mann, der diese Zeilen an diesem Abend sang, war Tobias Siebert. Die Band: Klez.e. Das erste Mal war er mir wohl bewusst im Fernsehen begegnet. Ich war gerade nach Wien gezogen. Weg von vielem, hin zu etwas anderem, vielleicht mehr. Und da lief auf einmal dieses Video über den Bildschirm, mit eben diesen Zeilen: Wir sind alle nur zum Leben hier! Das war Klez.es Du auch. (mehr…)