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Bemühen & Beackern
Dezember 19, 2008, 2:21 pm
Filed under: Anmerkungen, Heft, Werbung | Schlagwörter: , , ,

Wir sind BLANK

Es sind Tatsachen, Wahrheiten und Umstände, die einen bewegen und nicht erstaunt, geblendet oder geschockt erstarren lassen. Aber sich mit Definitions- und Bewältigungskonzepten aufzuhalten ist in nach Aktionismus verlangenden Momenten nicht der richtige Ansatz um ein Heft zu machen. Manchmal muss man einfach machen und sich der Spontanempirie ergeben.

wir sind BLANK

Weniger spontan sind die Umwälzungen, denen sich zur Zeit die Wochenzeitung Freitag aussetzt und es ist schön zu beobachten, wie auch bei einem zuweilen leicht verschroben Blatt für Alt-Linke die Motivation entsteht, den gesellschaftlichen, idealistischen und visionären Realitäten für einen Relaunch ins Auge zu blicken. So schreibt Jakob Augstein in Ausgabe 50/2008 in einem als Antwort auf teils empörte Leserzuschriften gedachten Text: „Der Freitag war nie frei von Anzeigen. Es gab durchaus immer welche. Sie fielen nicht sehr ins Auge. Aber es gab sie: Für Publikationen wie Sozialismus, konkret oder die junge Welt. Oder für Veranstaltungen wie ein Umweltfestival, die Rosa-Luxemburg- Konferenz oder das Kurt-Weill-Fest. Anzeige ist Anzeige. Aus der Sicht der Redaktion sollte es keinen Unterschied machen, ob für einen antifaschistischen Fahrradkorso geworben wird oder für ein Waschmittel. Die Redaktion sollte unbeeinflusst von äußeren Interessengruppen ihrer Arbeit nachgehen. Parteien, Unternehmen, Verbände, Stiftungen – ganz gleich: Sobald sie den Anspruch erheben, auf den Inhalt einer Zeitung (…) Einfluss zu nehmen, müssen Redaktion und Verlag sich wehren. Die Zeitung dient den Lesern. Nicht den Interessengruppen.Weder den ökonomischen. Noch den politischen. Alles andere hat mit Journalismus nichts zu tun. Ein guter Journalist darf sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten, hat Hanns Joachim Friedrichs bekanntlich gesagt. In der ganzen Absolutheit stimmt der Satz natürlich nicht. Weil es ohne Werte und ohne Haltung keinen guten Journalismus und keine publizistische Identität geben kann. Aber als Richtschnur des journalistischen Handelns hat er Gültigkeit.“ 

wir sind BLANK again

Doch Augstein wird noch konkreter: „Der Freitag unterliegt den realen Gesetzen der wirtschaftlichen Notwendigkeit. Es wäre wunderbar, wenn sich ein solches Qualitätsmedium auf Dauer diesen Notwendigkeiten entziehen könnte. Ein liebenswerter Traum. Aber doch nur ein Traum. Wer trüge die Kosten? Eine Stiftung? Eine Genossenschaft der Leser? Gewährleistet das auf Dauer Unabhängigkeit? Oder ersetzt es nicht eine Abhängigkeit durch eine andere? Am Ende aber wollen Autoren und Photographen und Drucker bezahlt werden. Aus dem Verkauf allein lassen sich die Kosten bei einem vertretbaren Preis nicht tragen. Wir bemühen uns also um Anzeigen.“ Und wahrscheinlich ist das Wort ‚bemühen‘ genau der Umstand, um den es eigentlich geht und der eine grundlegende Notwendigkeit menschlichen Handelns beschreibt und so werden wir uns bemühen das BLANK, also die momentane Leere, den selbst-herbeigeführten Urzustand, die jüngst entstandene und sich immer deutlicher herauskristallisierende gesellschaftliche Freifläche zu füllen, zu beackern, zu gestalten und zu pflegen und zu gegebener Zeit abzuernten.  

(JF)

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