Faceyourmagazine's Blog


Mehr Panik
Januar 5, 2009, 3:12 pm
Filed under: Musik

Als ich das Chez Cherie Studio in der Berliner Sonnenallee  an diesem dunklen, eisigen Dezembertag betrete, hat es gefühlte 30 Grad Raumtemperatur, das Licht ist mehr als gedämpft und der Spirit liegt irgendwo zwischen Hippiekommune und Opiumhöhle. Ein Typ, der aussieht wie Morrissey zu „Meat is Murder“-Zeiten steht am Herd und formt Knödel. Die fünf Jungs von Ja,Panik sitzen andächtig im Studio und lauschen dem, was sie da in den letzten 10 Tagen aufgenommen haben. Die Gesichter sind zufrieden und müde, man trinkt Bier und raucht zur Entspannung. Die aus Wien stammende Band, die sich mittlerweile auch in die Herzen der deutschen Feuilletonisten und Konsumenten gespielt hat, arbeitet hier in Berlin-Neukölln an der Fertigstellung ihres dritten Albums. Nach dem selbstbetitelten Debüt und dem hochgelobten „The Taste and the Money“ soll dieses rechtzeitig zum Festivalsommer 2009  fertig sein. 

„Wir sind viel strukturierter in unserer Herangehensweise als bei den Aufnahmen zu letzten Album. Fast alle Lieder wurden schon im Vorfeld als Demos aufgenommen und dann hier nurmehr live eingespielt und verfeinert“, sagt Andy Spechtl, Sänger und Kopf von Ja,Panik. „Die Arbeit am letzten Album dauerte fast ein Jahr und aufgenommen wurde alles bei uns daheim.“

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Da ist es natürlich durchaus komfortabler, wenn man in familiärer Kuschelatmosphäre mit dem Shootingstar der deutschen Indie-Rock´n´Roll-Produzenten Moses Schneider aufnehmen kann. Der zweifach „Echo“-nominierte Oberchecker mit einer schier endlosen Liste zufriedener Kunden ( Tocotronic, Beatsteaks, Seeed, Peter Licht, Kettcar, Fehlfarben, Kreator) wurde der Band von ihrem Label vermittelt, die Zusammenarbeit hat von Anfang an hervorragend geklappt, alles ist im Kasten – noch vor Ablauf der geplanten Aufnahmephase. Für den Feinschliff watschelt alle halbe Stunde einer der Musiker in die Aufnahmekammer, um hier noch einen Chor oder da noch eine Gitarrenspur hinzuzufügen. Was ist anders im Vergleich zum letzten Album?“Wir sind auf jeden Fall experimentierfreudiger geworden, haben neue Taktarten verwendet, an die wir uns davor noch nie herangetraut hatten und die Sprachwechsel vom Deutschen ins Englische sind spontaner und weniger von  der Struktur der Lieder bestimmt.“ Das, was ich als Studiogast beim Prelistening aufschnappen konnte, ist in gewohnter Ja,Panik-Manier   rotzig-klugscheisserisch und unangestrengt prätentiös , aber eben immer ohne dabei peinlich zu wirken.

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Das ist es,  was diese Band so speziell macht, Deutsch und Englisch wildestens durcheinanderzumischen, mit hedonistischen Klischeevorstellungen und Zitaten/ Allgemeinplätzen um sich zu ballern und dabei  trotzdem frisch, unkonstruiert und unangepasst zu klingen.Scheisse bauen und darüber singen. „Essen ist fertig!“ ruft Morrissey und alle nehmen brav an der großen Tafel Platz.Es gibt Griessknödel mit Erdbeersoße. (SH)

 

www.ja-panik.com

www.myspace.com/japanik

 

 

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