Faceyourmagazine's Blog


Check The Rhyme Tour ’09
Februar 20, 2009, 11:51 am
Filed under: Gossip, Musik, vor ort | Schlagwörter: , , , ,

Hip Hop You Don’t Stop oder I Love My Adidas

Wir konnten es beim Erblicken der Plakate kaum glauben, in zwei Wochen sollte sich ein wahres Hip Hop-Jahrhundertereignis abspielen. Oder wie sollte man ein Konzert klassifizieren, das die größten Hip Hop-Helden der Neunziger vereint, das Oldschool in Reinform serviert? Die Check The Rhyme-Tour, organisiert von der Frankfurter Agentur Solar Penguin, bot am 18.02. folgendes Menü: Vorspeise: Beatnuts, Zwischengang: Jeru The Damaja, Hauptgang: Da Alkaholiks, gefolgt vom Dessert: Lords Of The Underground. Als Gruß aus der Küche gab es zwischendrin Paris und ganz am Anfang Mystic Roots.

Für Fans von Oldschool-Rap ein Konzertereignis der Superlative, weshalb die Maria als Location vielleicht auch wenig zu klein gewählt war, spätestens ab dem Erscheinen des zweiten Acts litt man unter kontinuierlicher Atemnot.

Zum Publikum – Hip Hop scheint immer noch eine Männerdomäne zu sein, die Frauenquote lag bei maximal 20%. Besonders auffällig: Die Frequentierung der Toilettenräume. Die Schlange vor dem Männerklo war tatsächlich länger, als bei den Damen, was, wie ich mir bereits bei einer anderen Veranstaltung von einer älteren Harndrang-Mitbetroffenen hatte erklären lassen, sonst wohl nur auf der Wies’n vorkommt. Bei meinem Aufenthalt in den vorderen Reihen konnte ich gleich gar keine andere Frau ausmachen.

Spätestens ab dem Erscheinen der Beatnuts war aber auch Vorsicht geboten, denn dieser Moshpit stellte so manches Punkrockkonzert in den Schatten, weshalb ich mich nach hinten und in den Kreis meiner (natürlich ausschließlich männlichen Begleiter) verzog. Jede Ritze des Clubs war mit Mensch ausgefüllt, was dazu führte, dass man sämtliche logistische Anliegen sorgfältig planen musste, wollte man zurück zu seiner Peer-Group finden, ohne zwischen Bar und Tanzfläche tot getrampelt zu werden. Die Beatnuts jedenfalls sorgten für heftige Eruptionen im Publikum, ich wartete derweil sehnlichst auf das Erscheinen von Jeru The Damaja, welcher als dritter Act die Bühne stürmte und neben einem „freaky, freaky, freaky, freaky Flow“ vorzügliche Entertainer-Qualitäten zu bieten hatte, so wie er mit dem Publikum spielte. Von „Ya Playin’ Yourself“ über „99,9%“ (Gänsehaut!) bis zu „Come Clean“ hat keiner seiner Hits gefehlt, im Publikum wurde es ruhiger, gebanntes Zuhören war angesagt.

Der mir bis zu diesem Abend unbekannte Paris übernahm nach Jeru das Mic, ausgestattet mit vorzüglichen Beats, aber leider auch einem großen Drang zur Selbstbeweihräucherung. Damit ging er mir nicht nur gehörig auf die Nerven, sondern stahl den nachfolgenden Acts ihre Zeit, wie sich später herausstellte. Überhaupt gab es anscheinend ein paar Probleme bei der zeitlichen Organisation, beginnen sollte das Spektakel um 19 Uhr, man hatte sich natürlich auf später eingestellt, aber das „später“ 21.30 bedeutete, war schon überraschend.

Die Alkaholiks sorgten dafür, dass sich das Publikum in einen riesigen, bouncenden menschlichen Flummi verwandelte. Stimmungsmäßig waren die „Liks“ auf jeden Fall das Highlight! Letzte on stage waren die großartigen Lords Of The Underground, doch dank Poser-Paris hatten die nicht mehr genügend Zeit, schauten während der Show auf die Uhr und sorgten damit für einen deutlichen Stimmungsabfall. Nach „Tic Toc“ ergriff ich die Flucht, weil Sauerstoff-und Flüssigkeitsmangel meinem verweichlichten Körper so zusetzten, dass ich Angst vor dem Verlust meines Bewusstseins hatte, weshalb ich mich in Richtung Bar schob, um durchzuatmen. Dabei konnte ich amüsiert beobachten, wie JuJu von den Beatnuts, bewaffnet mit der obligatorischen Flasche Hennesse, erfolglose Eroberungsversuche bei den wenigen anwesenden Frauen startete. Viel verpasst habe ich nicht, zwanzig Minuten später, nämlich Punkt zwei, wurde abrupt die Musik abgestellt. Party vorbei.

Übrig blieb ich. Allein mit meinen vergewaltigten Lieblingssneakers und dem Gefühl, zu alt für derlei Abenteuer zu sein. (TM)

Advertisements

1 Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar

Die Schuhe sagen alles 😉 Wollte mir das Konzert am Dienstag in Hamburg anschauen, leider hab ich Mittwoch kein frei bekommen. Paris ist übrigens ein gaaaanz grosser in der Poli Rap Szene und hat zwei echte Meilensteine rausgebracht. Leider habe ich ihn noch nie live gesehen. Aber Polit Acts haben immer den Drang viel Message rüberzubringen , so wars auch bei Public Enemy letztes Jahr

Kommentar von spanksen




Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: