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Ecletic Boogie
März 30, 2009, 10:50 am
Filed under: Heft, Musik | Schlagwörter: , ,

Filthy, yeah! Was Männer dazu animiert, sich derartige Attribute zuzuschreiben, kann man sich denken: Da scheint die postpubertäre Phase wohl noch nicht ganz abgeschlossen zu sein. Denn so abgerockt und angeschmutzt sind weder die Filthy Dukes themselves, noch die Musik, die sie produzieren.

dukes

Oder man könnte sich damit auf die Umstände beziehen, unter denen die Dukes den größten Teil ihrer Arbeit ableisten. Denn wenn man Parties organisiert und auflegt, hat man innerhalb der Feiergemeinde tatsächlich eine dem kollektiven Exzess übergeordnete, ja fast fürstliche Position, macht sich allerdings trotzdem seine Finger schmutzig. Oder gibt es tatsächlich jemanden, der auf seiner eigenen Party „sauber“ bleibt?
Vermutlich schon, aber diejenigen feiern das Feiern wahrscheinlich auch nicht so sehr wie Filthy Dukes. Die haben schon fast jedes Festival okkupiert, eine Menge abgefahrener Locations (wie ein Iglu beim „Snowbombing“-Festival) bespielt und in London die Kill Em All Night, ihre eigene Indie-Electronic Partyreihe im legendären Fabric, ins Leben gerufen. Dafür darf man dankbar sein, denn heutige Indiedisko-Helden wie Bloc Party und Justice haben dort die ersten Schritte auf der Bühne gemacht. Und da derlei Aktivitäten und der dazugehörige Lebensstil süchtig nach Abwechslung und Attention machen, musste etwas Neues her.
Das Debutalbum „Nonsense In The Dark“ könnte man als den attraktiven Bastard aus der Verbindung unzähliger durchzechter Nächte mit dem dazugehörenden Soundtrack selbiger bezeichnen. Die ganze Plattensammlung von Olly Dixon und Tim Lawton, aufgemischt vom Produzenten Marc Ralph, hat sich in das Album ergossen – Pigmente von Diskohits aus drei Jahrzehnten vermengen sich zu einer kaugummibunt- bis neongraugefärbten Masse, die hüpft wie ein Flummi.
Die Filthy Dukes haben dafür folgende Begrifflichkeit an die Öffentlichkeit getragen: electroacidhousenuravetwisteddiscopunkfunk. Die Kollegen vom NME nennen es „rave-rock crossover“. Wobei die Rave-Komponente deutlich überwiegt. Man muss nicht besonders aufmerksam sein, um auf Anhieb mindestens fünf aktuelle und fünf Künstler aus vergangenen Zeiten benennen zu können, die hier mit eingeflossen sind. Süß und saftig wie New Young Pony Club oder Daftpunk, noisy wie Crystal Castles und rumsend wie Produktionen aus dem Hause Ed Banger, dazu ein Tupfer Depeche Mode und Chemical Brothers, abgerundet von einem Klacks Hip Hop in der ersten Single „Tupac Robot Club Rock“. Auf diesem Track rappt Plastic Little aus Philly sehr humoristisch über Nonsens wie in die Spüle zu pissen, Kleber zu schnüffeln und auf Kobolde zu treffen. Er ist nicht der einzige Gaststar, auch Late Of The Pier und die Maccabees haben ihre Sänger für einen guten Zweck gespendet.
Um den letzten 30 Jahren elektrolastiger Populärmusik ein eklektisches Denkmal in Form eines Albums zu setzen. Und die postpubertäre Phase in Endlosschleife zu praktizieren. (TM)

Foto: Bella Lieberberg

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