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Pornografie des Alltags
Juli 8, 2009, 3:53 pm
Filed under: Theater | Schlagwörter: , , ,

Pornographie Pornograhie

Wer im Bereich Kultur nicht ganz auf, von den Massenmedien populistisch ausgeschlachtete Themen, wie Sex, Großstädterschicksale und Terrorangst verzichten möchte, für den haben wir noch eine ganz besondere Empfehlung fürs Wochenende. Ganz so einfach ist es dann natürlich doch nicht, würde dieses Themenensemble wohl doch eher im Vorabendprogramm eines einschlägig bekannten Privatsenders, statt am renommierten Hamburger Schauspielhaus zu finden sein. Wie also lockt man das hanseatische Bürgertum in ein Theaterstück, welches auf den Namen „Pornografie“ hört? Ganz einfach, man wendet das Kinderüberraschungs-Prinzip an. Es ist nie das drin, was man erwartet. Und so tauchen in Simon Stephens Stück „Pornografie“ keine Utensilien aus Lack und Leder (oder die landläufig bekannten rosa Fellhandschellen) auf. Den einen mag das jetzt enttäuschen, es lohnt sich an dieser Stelle aber trotzdem weiterzulesen.

Unter Regie von Sebastian Nübling entwickelt sich das Stück zu einer entlarvenden Gesellschaftsdiagnose – alle leiden sie, keiner kennt das Erlösung versprechende Gegenmittel. Pornografie erzählt die Geschichte sieben einsamer Schicksale, die mitten im alles verschluckenden London des Jahres 2005, aus dem unterkühlten und stumpfen Alltag auszubrechen suchen. Jeder für sich bereitet seine eigene kleine Katastrophe vor, während sich zeitgleich vier Selbstmordattentäter im menschlichen Gewirr der Londoner U-Bahn in die Luft sprengen.

Simon Stephens deckt mit seinem Stück, die Abgründe menschlicher Existenzen auf  (es war ein Einfaches, alle sieben Sündenfälle im Stück unterzubringen) und liefert damit einen weiteren Beweis für die Nicht-Kommunikation und das aneinander vorbei leben in unserer Gesellschaft. Die Perversion dessen, was wir bereits als normal empfinden ist es, was bei Stephens zur Pornographie des Alltags wird. Da kann man sich die drei Euro Ausleihgebühr für die DVD wirklich schenken!

Datum : 10.07.2009, Deutsches Schauspielhaus Hamburg

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