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Pop-Transplantate: Die c/o pop und noch eine Indierock-Klatsche
August 11, 2009, 1:28 pm
Filed under: Heft, Musik, vor ort | Schlagwörter: , , ,

2003,2004 und 2005 waren schlimme Jahre für die Medienstadt Köln: Zunächst verabschiedete sich die Musikmesse Popkomm gen Berlin und hinterließ der Domstadt mit dem Ringfest sein unterentwickeltes und darüber hinaus auch noch hässliches Mainstream-Geschwisterchen. Etwas später wurden nach der freundlichen Übernahme des Musiksenders Viva durch den Viacom-Konzern dann die ersten Gerüchte über einen Umzug in die Hauptstadt laut und schlussendlich auch traurige Gewissheit. Doch anstatt sich in Verzweiflung zu üben und zarte Schorfkrüstchen immer wieder aufzupuhlen entschlossen sich die Medienmacher einen Ersatz zu schaffen: eine kleine, aber feine Messe mit dazugehörigem Musikprogramm, die auf den hübschen Namen c/o pop getauft wurde. Aus dieser Substitution ist unlängst eine Institution geworden.

Etwas desillusionierender kommt da die Bilanz des großen Brudes daher: Ähnlich wie auf dem torfhaltigen Boden der Soester Börde keine Kokospalmen wachsen, scheint auf dem Spreewasser getränktem Boden Berlins keine Popkomm zu gedeihen: 2009 wird erst einmal pausiert, ob es 2010 weitergeht steht in den Sternen und den Aktienkursen.

Anders erging es in den letzen Jahren der c/o pop. Die mehrtägige Veranstaltung, die  vom 12. bis zum 16 August 2009 stattfindet, kann beeindruckende Besucherzahlen vorweisen: Etwa 30.000 Menschen werden erwartet. Und annähernd so viele Acts tummeln sich in mehr als 20 völlig unterschiedliche Locations, vom Abenteuerspielplatz Atelier Odo Rumpf a.k.a Odonien bis hin zur hochseriösen Kölner Philharmonie. Um nur einige Namen zu nennen, in alphabetischer Reihenfolge: Amanda Blank, Beirut, Chaos Mon Amour, Ellen Allien, Frittenbude, Gonzales, Justus Köhncke, Moderat, Patrick Wolff, Paul Kalkbrenner, Schwefelgelb, The Whitest Boy Alive, Trentemoller, Voltaire und Who Made Who. Vor lauter Feierei sollte aber nicht vergessen werden, dass die c/o pop nicht einfach nur ein Festival, sondern eben auch eine Messe ist, die sich in 2009 dem Thema „Pop Culture 2.0“ verschrieben hat. Der leicht antiquiert wirkenden Namenszusatz nimmt es vorweg: Es geht um Musikindustrie zu Zeiten des „Web 2.0“, und die neuen Technologien innewohnenden Komplikationen, aber auch Möglichkeiten und Chancen.

Eine Chance ist auch die c/o pop für den Medienstandort Köln und beweist, dass es mit kulturellen Veranstaltungen ein bisschen so wie mit Organspenden ist: Es ist generell durchaus möglich, dass ein transplantiertes Herz auch in einem fremden Körper schlägt statt von der Immunabwehr abgestoßen zu werden, aber besser ist doch immer das natürlich gewachsene. Ähnliches empfindet auch unser Autor Daniel Vujanic im Bezug auf die neue, everywhere abgefeierte Platte von Portugal. The Man und einmal angefangen, wird hier mal richtig Klartext gesprochen: „Es stellt sich mir langsam die Frage, wie es um die Rezeption der Musik, speziell der des Indierock-Genres steht, wenn die Gesellschaft inzwischen in einer allumfassenden, lichtumkränzten, sich selbst abfeiernden Durchschnittlichkeit angekommen ist, in welcher im Fünf-Minuten-Takt auch die einfältigsten Gurken, die des Zitierens halbwegs mächtig sind, als neue Heilsbringer verehrt werden. Und das ist nicht nur in England so – Stichwort: NME. Nein. Es ist eine Pandemie. Ein unaufhaltsamer Virus. Wie Razorlight. Als ob man als Musikhörer auch den beschissensten Bands dankbar dafür sein müsste, sich – bevor sie ins Studio gehen – mit der Musikgeschichte der letzten Jahre beschäftigt zu haben.“ Der ganze Diss findet sich in der aktuellen Ausgabe oder bereits auch unter BLANK MAGAZIN ONLINE.

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