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VERWALTEN IST AUCH WIRKLICH DAS SCHLIMMSTE: Max Herre und Thees Uhlmann im Interview über Sponsoring, Adult Contemporary, die Einfachheit von Songwriter-Scheiben und Stardom im Allgemeinen
August 25, 2009, 10:50 am
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Letzten Sommer trafen sich Robert Stadlober und Johannes Finke mit Max Herre und Thees Uhlmann, um ein längst überfälliges Interview zu führen. Aus aktuellem Anlass und zur Vorbereitung auf die nächste BLANK-Ausgabe, haben wir dieses Interview in seiner vollständigen Länge und Blüte an dieser Stelle noch mal verfügbar gemacht und den Print-Fängen entrissen (Im Folgenden steht ‚FM‘ für Facemagazin, das Magazin in dem das hier vorliegende Interview im August letzten Jahres als Titelstory erschien).

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Max Herre verspätet sich. Er hat sich beim Kicken die Rippe geprellt. Und Vater ist er ja auch. So wie Thees Uhlmann. Der kommt gerade direkt aus Wales. Man hatte ihn eingeladen, um mit Feridum Zaimoglu eine Episode des beliebten Fernsehformats „Durch die Nacht mit…“ aufzuzeichnen. Es hat offensichtlich Spass gemacht. Da in Wales. Die Laune ist nicht die schlechteste. Aber die Zeit wird knapp. Mittags müssen beide zurück in die Vaterrolle. Aber auch das scheint beiden Spaß zu machen. Man kann hier durchaus das Wort Erwachsensein gebrauchen. Und auch von Verantwortung könnte die Rede sein. Steigen wir also in das Gespräch an einem Punkt ein, der imstande war, nachhaltig zu sein: der Jugend und der ersten bewussten Konfrontation mit Musik, die Jahre später bei dem einen dazu führte, spätestens mit dem Song „Anna“ einer der ersten großen Protagonisten des deutschen Hip-Hop zu werden, und bei dem anderen, den Tourbegleiter von Tocotronic zu geben, dies mehr oder weniger literarisch zu verarbeiten und die Band Tomte zu gründen, die nun mittlerweile seit mehreren Jahren zu den Grundpfeilern des deutschen Indie-Rock zählt. Doch wie man diesem Gesprächsprotokoll entnehmen kann, würden beide gerne einfach nur „Adult Contemporary“ sein, denn so kann man ein musikalisches Genre auch nennen – und da ist es wieder, das ‚Erwachsensein’ – also, noch mal zurück:


THEES UHLMANN: Was hat man denn mit 15 für Soul gemacht? Bei uns auf dem Dorf gab es zwei Mods, die dann wahrscheinlich The Jam und Punk gehört haben. Was war das für Soul, an den ihr angedockt habt?
MAX HERRE: Ich hatte das Glück, dass ich mit 11 eine Freundin hatte, deren Mutter eine riesige Plattensammlung hatte und ich hatte immer Jugendfreunde, deren Eltern solche Musik gehört haben.
TU: Guter Satz: „Ich hatte mit 11 eine Freundin, deren Mutter eine große Plattensammlung hatte.“
MH: Ja, bis ich 14 war. Der Vater war Bassist. Und wir haben uns das Zeug immer auf Kassetten gezogen. Durch meine ältere Schwester hab ich dann so Sachen wie Kool and the Gang und so Zeug kennengelernt. Sie hatte auch die ersten Platten von Stevie Wonder und Curtis Mayfield. Stuttgart zwar ziemlich schnell Soul-Kultur. Ähnlich wie in Hamburg…
TU: Also, was dieses Hamburg-Umfeld angeht und die Musik, die wir alle gehört haben, muss ich sagen, dass ich von13 bis 20 ausschließlich Musik hörte, die eine harte Ausstrahlung hatte. Halt auch wegen den Eltern und so. Da kann ich mich an tolle Szenen erinnern. Musik als Pubertätsbeschleuniger.
MH: Vielleicht bist du auch ein bisschen jünger als ich und es gab da nicht so viel.


FM: Du bist auch ’74er Jahrgang, oder, Max?
MH: ’73er Jahrgang.
TU: Ich bin Jahrgang ’74.
MH: Ich hab die Musik gehört, die im Radio gespielt wurde. Irgendwann fängt man dann ja an, selber Musik zu kaufen. Die Mutter eines Kumpels hatte die ganzen Platten und wir haben die Platten rauf und runter gehört. Die Rap-Sachen kamen eigentlich erst später durch meinen jüngeren Bruder dazu. Er hat immer die Rap-Platten gekauft, aber das ging auch erst ungefähr 1990 los. Später als ich dann in Clubs gegangen bin – z.B. ins On-U oder ins Unbekannte Tier – hab ich Lust bekommen, zwei, drei Songs zu machen. Wenn ein DJ da war, der das kannte, hab ich ihn gesagt „Hey, ich geh‘ ans Mic, freitags oder samstags“. In den Clubs hab ich auch die Massiven Töne kennengelernt, da ja alle in die gleichen Clubs gegangen sind. Ich hatte was auf englisch und auf deutsch vorbereitet. Ihnen haben meine deutschen Sachen besser gefallen als meine englischen und letztendlich haben sie mich gefragt, ob wir mal was zusammen machen wollen. Ich bin dann eben dorthin gegangen. Dort gab es schon richtig viele Leute, vor allem Breaker und Sprüher und dann auch die ersten, die angefangen haben zu rappen. Die Massiven waren schon relativ weit, hatten schon einige Songs und waren drauf und dran, ihre erste EP aufzunehmen, was sie dann auch gemacht habe.
FM: Wie sind dann jeweils die Labels entstanden? Aus Hotel van Cleef ist ja quasi Grand Hotel van Cleef entstanden, das war ja ursprünglich euer Tomte-Label.
TU: Ja, für eine Tomte-Platte habe ich das gemacht und ich habe auch bis jetzt nie irgendwas steuermäßig gemacht. Ich glaube, das wurde dann einfach von Finanzberatern übernommen. Ich habe die Platte rausgebracht, wusste aber gar nicht, was die GEMA ist, und was Steuern sind. Wir haben die meisten CDs dann auch verschenkt. Nee, bei uns war das ja einfach nur eine Label-Gründung, weil sich keiner dafür interessiert hat. Es gab so leichte Tendenzen, dass sich große Labels so leicht dafür interessiert haben, die uns dann aber so schlechte Verträge angeboten haben, dass die einzige Option war, das selber zu machen. Und so ist es dann zu diesem Label gekommen. Also, es wurde wirklich einfach nur gegründet, weil es kein Interesse an deutschsprachiger Rock-Musik gab. Kann man sich gar nicht vorstellen.
FM: Wie war das bei euch mit Kolchose, Freundeskreis und 0711?
MH: Das war ja kein Label. Am Anfang war es so, dass es Tänzer und Sprüher gab und eben drei oder vier Bands, die aber auch nur drei, vier Song hatten. Das heißt, keiner von uns konnte abendfüllend spielen. Also überlegten wir uns, das alles zusammen zu machen und nannten das dann Kolchose. Wir brauchten einen Namen, weil es dann auf einem Flyer gedruckt wurde. Zuerst haben wir die Jugendhäuser abgegrast und uns als Package angeboten. Als Label war das ganze allerdings eh nie gedacht.
TU: Aber es hat dann schon so eine Eigendynamik bekommen?
MH: Na, dann kamen die Platten. Unsere erste Freundeskreis-Platte kam ja schon bei Four Music raus. Massive Töne haben ihr erstes Album beim MZEE veröffentlicht. Es war plötzlich Geld da und es gab den Rothebühlbau. Strachi und Schowi haben angefangen, dort das 0711Büro zu machen. Das galt dann ein bisschen als das Kolchose-Büro, aber die haben da auch letztendlich ihr Business gemacht. Es ging da allerdings nie ums Geldverdienen. In den Jugendhäusern hat man sowieso kein Geld verdient. Es war auch immer undurchsichtig, wer Kolchose überhaupt ist und wer nicht. Es waren dennoch immer alles Einzelkünstler, die zum Teil schon ihre eigenen Managements, Plattendeals und Verträge hatten.
FM: Also ging es mehr darum, Kräfte zu bündeln?
MH: Die Idee, daraus zusammen ein Geschäft zu machen, ist eigentlich gescheitert. Wir hatten z.B. eine Merchandise- Firma, Schulzritter, die auch eine Zeit lang ganz gut T-Shirts und Sweatshirts verkauft haben. Finanziell ist da aber nicht viel bei herausgekommen, da man das Geld wieder in die Firma investiert hat. Irgendwann hat das aber auch nicht mehr geklappt und es gab überhaupt kein Geld mehr. Da war mir ziemlich schnell klar, dass es ein künstlerischer, aber kein geschäftlicher Zusammenschluss war.
FM: Aber gab es dann nie Berührungsängste, mit Major-Labels generell? Oder war es damals vielleicht noch so, dass man gesagt hat: „O.K., wenn man einen Plattenvertrag kriegt, dann nimmt man den“?
MH: Am Anfang war es für die ganze Hip-Hop-Szene undenkbar, dass man direkt ein Signing bei einem Major unterschreibt. Es gab aber so viele Konstrukte, dass man z.B. kleinere Labels oder Produktionsfirmen gegründet hat und die haben dann die Kommunikation mit dem Major übernommen. Man selbst hatte dann nichts mit dem Major zu tun. Ganz am Anfang haben wir probiert, das mit Groove Attack zu machen. Die haben dann wiederum den in Stuttgart ansässigen Major Intercord reingeholt, aber das Ganze ist dann 1996 komplett gescheitert. Die gibt es mittlerweile aber nicht mehr. Für uns kam es sehr gelegen, dass die Fantas mit Four Music ihr eigenes Label machen wollten. Wir wollten dann auch vom Major weg und zu Four Music, und so wurde hinter den Kulissen gedealt und Four Music hat uns freigekauft.
FM: Wie war da das Verhältnis zu den Fantas? Die wurden Anfangs in Stuttgart ja mehr mit Golf GTI, Merzschule und der Schülerdisko Musicland assoziiert und weniger mit dem, was sich in diesen Tagen als deutscher Hip-Hop bzw. Rap formierte.
MH: Das war ganz am Anfang so. Da gab es zwei große Lager und so eine Art von Feindschaft – „wir gegen die“. Das echte Hip-Hop-Stuttgart gegen den Ausverkauf. Was komisch war, da man sich trotzdem in den Clubs getroffen hat. Es gab die Fantas, aber man kannte eben auch jeden der Jungs einzeln. Michi Beck legte damals schon in den Clubs auf und wir hingen dann ein bisschen gemeinsam ab. Irgendwann haben sich die Fantas ja rehabilitiert, u.a. auch mit ihrer Platte „Lauschgift“. Die Hamburger Jungs haben angefangen, mit denen abzuhängen und Remixe zu machen. Irgendwann war einfach klar, dass wir zum Fanta 4-Label Four Music gehen, weil sie das dennoch anders verstehen als die Major-Companies, und wissen, was wir vorhaben und machen wollen und welche Freiräume wir brauchen. Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung und das Ganze hatte ja auch eine Sog-Wirkung. Afrob hat bei Four Music unterschrieben, Gentleman ist zu Four Music gekommen und Joy Denalane hat sich auch für Four Music entschieden.
FM: Die FK-Allstars, sozusagen?
MH: Genau.
FM: Was macht Afrob jetzt eigentlich?
MH: Afrob wohnt in Berlin und macht auch eine neue Platte. (aktuelle Anmerkung: die neue Platte von Afrob heißt „Der letzte seiner Art“ und erscheint die Tage)
FM: Wasi macht ja auch seit fünf Jahren eine Platte.
MH: Wasi macht eine super Platte, ja. (aktuelle Anmerkung: von Wasi ist bis jetzt keine neue Platte erschienen, auch wenn man in den vergangenen Jahren immer wieder mal was hören konnte)
FM: Thees, wie ist das bei euch mit der Annäherung an die Major-Musikindustrie?
Du kommst ja aus einer Szene, wo man erst mal denkt, dass es da Vorbehalte gibt.
TU: Wo es vielleicht noch ein bisschen feindschaftlicher ist, als das, was Max gesagt hat. Man muss ja auch einfach sagen, dass wir mit Punk oder Indie- Punk oder Rockmusik ein Nischendasein geführt haben. Da gab es schon so eine Szene, aber es gab nie einen Sponsor, der gesagt hat: „Ey, Tomte, es ist super, was ihr für einen Krach macht. Können wir mal eure Tour finanzieren?“ Wir haben dann auch immer Briefe an die VW Sound Foundation geschickt, wobei die immer nur sagten: „Nö, bitte nicht mit unserem Bus.“ Und dann natürlich Punk-Szene, Hafenstrasse, so pseudo- durchpolitisiert, blabla. Da gab es überhaupt kein Zusammen- Dings. Und das war auch damals so, die Hardcore-Szene war auch ein funktionierendes Refugium, da haben wir die erfolgreichsten Punk-Hardcore- Fans zu ihren besten Zeiten gehabt. 25.000 Magazine abgesetzt, wenn du dir das überlegst, das Zap-Fanzine von damals, das sind Sachen, die sind ja undenkbar. Und das sind Sachen, die findet man schon geil. Es hat mir auch sehr grossen Spaß gebracht, mich als Dorftrottel in so einer Sache zu Hause zu fühlen. Da hast du natürlich jedes Gesetz befolgt und das auch gerne. Vegetarismus, Politische Korrektness, halt so Sachen. Die ziehen sich auch bis heute durch. Und dann haben wir plötzlich durch dieses jahrelange Spielen und durch diese gewisse Härte, die ich mit meiner Band in einem gewissen Maß von Dummheit, Größenwahn, wie auch immer man das nennen möchte, hatte, kamen bei mir Leute zu den Konzerten und das war halt immer so, dass die großen Plattenfirmen noch nicht da waren, und wenn sie da waren, hatten wir immer schon die nächste Entscheidung getroffen. Das hat dann halt mit der Gründung des eigenen Labels geendet, das ja dann auch ziemlich schnell ziemlich groß wurde und auch eine ziemliche Meinungsherrschaft übernommen hatte, was Rockmusik angeht. Und jetzt ist es halt schwierig. Wie gesagt, mein bester Freund und Mentor, der Typ, mit dem ich am längsten musikalisch und freundschaftlich zusammenarbeite, der hat immer im Mainstream gearbeitet und mich damals am Frankfurter Bahnhof aufgesammelt und mir in drei Minuten den ersten Vertrag gemacht. Deswegen kenn‘ ich sozusagen die Luft
von großen Plattenfirmen oder von erfolgreichen Leuten schon ziemlich lange, aber ich hatte bis jetzt noch nicht die Möglichkeit, da irgendwie hinzuarbeiten. Plus halt, muss man jetzt auch gerade in der Rockszene sagen, ist das, glaube ich, nicht das schlechteste. Ich habe in meinem Leben schon viele Bands gesehen, die an uns vorbei gefahren sind und gefeiert haben, weil sie einen Major-Vertrag hatten. Und die hat man dann in einer Kurve wieder gesehen, wo die Band dann in Scherben lag. Die wurden erst mit Geld gefüttert und dann wurden sie an die Wand geschmissen, um zu gucken, ob es funktioniert. Und wenn so eine Band einmal präsent ist, aber keinen Erfolg hat, dann machen die noch eine Platte und dann wird noch ein bisschen gehofft, aber am Ende löst sich die Band dann auf. Zumindest zu 95% ist das so. Und dieses Schicksal hatten wir bis jetzt noch nie. Vielleicht auch einfach dadurch, dass wir nie gesagt haben: „So, jetzt muss es aber klappen. Ey, wir haben so viel Geld ausgegeben, jetzt muss es einfach funktionieren.“
FM: Aber die Zeiten haben sich ja schon geändert. Also, wenn man sich zum Beispiel das Melt! Festival anschaut, ein Festival, von dem man denkt, dass es noch den Anstrich von so einer alternativen Kultur hat, obwohl es von vorne bis hinten komplett durchgesponsert ist.
TU: Also, dieses Festival-Sponsoring war ja immer präsent. Die Amerikaner rufen ja auch so hohe Gagen auf, dass wir das ohne Sponsoren gar nicht durchziehen können. Und es ist einfach so ein unkalkulierbarer Kostenfaktor geworden, dass man gerne Firmen ins Boot holt, mit denen man sich freundschaftlich verbunden fühlt oder wo man sich zumindest nicht zum Affen macht. Und es gibt auch wirklich, das muss ich sagen, zwischen so Firmen wie Red Bull oder der Telekom klare Trennstriche, die wir ziehen. Natürlich haben die das Interesse, ein Produkt zu verkaufen. Die einen wollen Verrückt-Mach-Brause, die anderen wollen CallYa-Cards verkaufen. Das gibt es aber schon auf jeden Fall Unterschiede in dem Style, wie die das machen.
FM: Du würdest also sagen, dass man sich da als Künstler Gedanken machen sollte? Gibt es überhaupt die Überlegung, wenn man als Künstler auf einem Festival spielt, dass da ein Sponsor dabei ist, der einem jetzt nicht so recht ist. Fragt man sich da, ob man das machen soll oder nicht?
TU: Na ja, bei großen Festivals ist es natürlich schwierig. Erst mal sag ich natürlich, der Hund bellt immer den Supermarkt an, aus dem er noch nie eine Dose Hundefutter bekommen hat. Also, die meisten Bands, außer Die Goldenen Zitronen, wehren sich immer gegen Sponsoring, weil die natürlich auch keiner gefragt hat. Wir, das Grand Hotel van Cleev-Festival, kriegen auch Unterstützung von Red Bull oder Sponsoring. Aber es gibt auch einfach Sachen, wo wir sagen, nee, da ist die Entfernung zu dem, was wir repräsentieren, zu groß. Ich unterscheide da schon. Eine Band aus meinem persönlichen Umfeld hat mal auf einem kleinen Dorffestival 400 McDonald’s Plakate überkleben lassen. Die haben gesagt, das war vorher nicht abgesprochen, wir haben keinen Bock, für diesen amerikanischen, imperialistischen Konzern Werbung zu machen.
FM: Das Entscheidende ist, dass die einen das mit mehr Style machen als andere?
TU: Ja.
FM: Obwohl das Wort Style ja genau das Ding ist, worum es geht. Ich meine, es geht ja nicht nur um Style, es geht ja tatsächlich, auch in der Werbung, letztendlich immer um Inhalte. Und Style lässt sich doch schon sehr schön reduzieren auf, sagen wir mal, so eine Verpackungsebene. Wir hatten vor ein paar Tagen ein Shooting mit Markus Fischer – bei der Gelegenheit haben wir sein Portfolio gesehen, die ganzen Arbeiten für Joy Denalane, Afrob, Freundeskreis und die Sachen für Max, und da fällt schon auf, dass Style in der Hip-Hop-Kultur eine ganz andere Bedeutung zukommt als in der Indie-Kultur.
MH: Das ist halt ein anderer Style, würde ich sagen.
TU: Ich würde es anders sagen. Vielleicht hat die Hip-Hop-Kultur besondere Ausnahmen. Also, ich habe mir natürlich auch mit Stolz aus dem ersten Amerika- Urlaub meine Chucks mitgebracht. Aber wenn man mal die Musikvideos dekodiert: wie da so mit Marken durch die Gegend geschmissen wird…
MH: Das ist ja anders. Der Markenkult wurde im Hip-Hop lange kultiviert. Es gibt ja dieses bekannte Foto der nackten, mit Louis Vuitton-Stempeln übersäten Lil’ Kim. Bei Hip-Hop-Musikern geht es zum Teil ja auch darum, möglichst viele Sponsoren zu kriegen und am besten immer eine eigene Edition. Das ist dieser Shibuya-Effekt, wie in Tokyo, wo jeder kleine Turnschuhladen seine eigene Edition hat.
TU: Ist das gut oder ist das schlecht?
MH: Ich glaube, das ist eine Tatsache. Ich finde das natürlich auch fraglich.
FM: Im Prinzip gibt man damit ja den Leuten, die diese Musik hören und sich davon beeinflussen lassen, einen Style vor, der zu erreichen schwieriger ist. Wenn du 14 bist und Punk-Rock hörst, brauchst du, glaube ich, weniger Geld, um auszusehen wie die Bands.
MH: Ja, obwohl es auch eine Uniformierung ist. Es ist halt nur eine andere Form. Aber ich glaube, dass jedes Genre, jede Musik eigene Codes hat. Die einen gibt es halt in dem Laden, die anderen gibt es da und die dritten gibt es im Second- Hand Laden.
TU: Oder bei Vater im Schrank?
MH: Aber eine Diskussion darüber zu führen, ob man Festivals spielt oder nicht, weil da die und die Sponsoren drauf sind, finde ich relativ schwierig. In Extremfällen würde ich mir da bestimmt Gedanken drüber machen.
FM: Das geht ja wahrscheinlich auch gar nicht.
MH: Ich glaube, dass viele Sachen nicht mehr stattfinden könnten, wenn es keine Sponsoren gäbe. Ich kenne das z.B. von diesen ganzen Jazz-Sachen aus den 80er Jahren. Jedes Jazz-Open in Stuttgart hatte die Landesgirokasse, Daimler Benz oder wen auch immer als Sponsor. In einem Kulturkontext war das nie eine Frage. Man braucht eben die Zuschüsse von z.B. der Bank. Im Hip-Hop werden die Umsätze auch nicht mehr mit den Platten gemacht. Da muss man irgendwie andere Leute mit rein bringen, um bestimmte Dinge auch sichtbar zu machen.
FM: Da erinnere ich mich an die Lesung, die Robert mal in Esslingen hatte, diese Beat-Lesung, wo 20 zahlende Zuschauer waren. Und da wurde im Vorfeld für viel Geld ein alter Beat-Autor aus Amerika eingeladen. Und dann stellt man fest, dass im Endeffekt jeder, der da als Zuschauer gekommen ist, einen Eintritt von 400 Euro hätte zahlen müssen, um das finanzieren zu können. Die Frage ist, hat so was noch Sinn oder ist es ehrlicher, zu sagen, man finanziert das dann über Produkte?
MH: Wir haben vor kurzem mit Joy, drei weiteren Sängern und dem MDR Sinfonieorchester eine Platte gemacht. Das ist ja auch Sponsoring. Wir haben für die Platte ein Budget zur Verfügung gestellt bekommen, ohne dieses Budget hätten wir das gar nicht alles umsetzen können. Das ist genau das, was ich mir als Musiker vorgestellt habe, dass es da ganz klassisch einen Mäzen gibt, der sagt: „Wow, wir finden das gut.“
FM: Fühlst du dich wohler, wenn es einfach nur das Geld gibt, weil jemand kommt, der sagt, er findet das gut und das ist wichtig – oder wenn du das Geld bekommst, weil jemand sagt, er will das Produkt verkaufen?
MH: Ich find es natürlich toller, wenn es nicht mit einem Produkt assoziiert ist. Aber je weniger musikaffin es ist, desto schwieriger wird es. Wenn da Sony auf den Platten steht, dann hat das eine größere Affinität, als wenn da Red Bull steht.
TU: Man muss auch einfach sagen, dass du und ich, dass wir von unserer Musik leben können. Aber ich sehe auch gerade bei meinem Label, die Leute leben wie die Hunde. Die haben echt kein Geld mehr. Weißt du, du hast diesen alten Traum, dass du von Musik leben willst. Und dann funktioniert das vorne und hinten nicht – die Platte verkauft sich nicht, die Leute kommen vielleicht nicht auf das Konzert oder kommen, aber dann kriegst du nicht so viel Geld. Für manche ist das vielleicht noch schwierig, vielleicht auch je älter die sind. Aber bei so jungen Bands, die echt Bock haben, Gas zu geben und auch eine bestimmte Form von Stil besitzen und auch quasi dann so eine Marke abdämpfen können… Ich würde fast sagen, nehmt alles mit, was irgendwie gehen kann, wenn ihr das irgendwie mit euch vereinbaren könnt. Nur damit man sich irgendwie die Kraft heranschafft, länger Kultur zu machen. Im Endeffekt geht es wirklich darum. Ich kenne jetzt schon bestimmt zwei oder drei Leute, die gesagt haben: „Fuck, ich hör’ auf mit dem Scheiss, ich mach jetzt doch noch mein Studium zu Ende. Ich hör’ auf mit der Musik, weil ich gar nicht mehr die Kraft hab’ am 20. des Monats zu denken, wo komme ich denn am 30. mit der Miete um die Ecke?“ Das ist schwierig. Also, ich würde einfach sagen, dass durch den ganzen Mist auch eine Vernichtung von Kultur stattfindet. Und es geht halt immer darum, neue spannende Kultur zu schaffen, und wie man das macht, ist vielleicht auch nicht mehr so wichtig.
FM: Aber ganz naiv gefragt: Hat man eine gewisse Verantwortung seinem Publikum gegenüber oder wie weit kann man es denen quasi zumuten oder denkt man noch darüber nach oder ist es mittlerweile sowieso schon alles so verwaschen, dass man denkt, die werden sowieso von allen Seiten zugeschissen – da macht das jetzt auch nichts mehr aus?
MH: Wir haben wahnsinnig lange überlegt, als wir mit Freundeskreis diese 10-Jahres Platte gemacht haben. Wir haben noch nie Sponsoring-Sachen gemacht. Bei der Diskussion gab es zwei Lager. Die einen, die wirklich strikt dagegen waren und die anderen, die gesagt haben: „Hey, lasst uns das doch einfach machen“. Das war damals mit Motorola, die ja mittlerweile eine eigene Plattenfi rma haben. Der Aspekt, der uns wichtig war, war Sichtbarkeit. Also wie weit kann man sozusagen diese Marke in der Wahrnehmung beschneiden und reduzieren. Ich glaube, das ist etwas, das inzwischen nichts Aussergewöhnliches mehr ist. Du siehst auf jedem Festival- oder Bandplakat eine Spalte mit den Sponsoren.
TU: Geht das dann so: „Mach mal ’ne Platte und ich geb’ dir ’ne Summe X?“
MH: Nein, das ist dann eher so, dass Du entscheidest, was man wie macht und was nicht. Deshalb geht es dann auch…
TU: Das Maximum, das bei uns immer so angefragt wird, ist irgendwie, äh, wird bei uns überhaupt was angefragt?
FM: Klamotten oder so auch nicht?
TU: Na, Klamotten kriegst du natürlich kartonweise zugeschickt. Also, nicht kartonweise, aber du fragst die und die, ob sie nicht mal was vorbeischicken und hoffst, dass die Grösse stimmt. Aber ich wollte auch mal ganz klipp und klar sagen, dass ich überhaupt kein Fan mehr davon bin. Ich weiss schon, was du meinst, aber das Publikum ist immer schlauer als die Journalisten denken, die Erfahrung habe ich schon oft gemacht. Mir geht es ja schon immer auf den Sack, wenn Künstler von „Kids“ sprechen. Ey, ich habe schon so grosse Abende mit 14- jährigen Typen gehabt, wo man sich dann plötzlich gegenseitig das Leben erklärt, und die dann auch eine ganz dezidierte Meinung zu dir selber haben, das fängt dann an: „Ey, eure letzte Platte fand ich irgendwie geiler“. Meine Erfahrung – durchweg in meinem ganzen kulturellen Leben – ist, dass die Leute echt einfach gar nicht so dumm sind.
FM: Aber Slime-Sponsoring wäre Anfang der ’90er undenkbar gewesen?
TU: Das ist undenkbar, weil Slime damals 150.000 Platten verkauft haben. Wenn du auf deinem Konto 50.000 Euro hast, dann ist es leicht rumzuschreien, dass du das ganze Geld nicht brauchst, das ist eine ganz normale Milchmädchenrechnung. Vielleicht haben Slime das nicht gemacht. Aber vielleicht haben Slime sich auch vor fünf Jahren wieder vereinigt und sich dann Rubber Slime genannt. Und warum? Weil das Geld alle war und die noch mal Kohle ranschaffen mussten. Das ist vielleicht komisch, da wird auch irgendwie eine grosse Sache kaputt gemacht, aber den Leuten ist es auch nicht vorzuwerfen, dass sie Bock haben auf ein menschenwürdiges Leben. Man hätte garantiert eine schöne Kollabo(ration) hinbekommen mit Eastpak und Slime.
MH: Das ist auf jeden Fall kontrovers. Ich bin da zwiegespalten. Wir haben auch mal so einen Coup gekriegt und wurden gefragt: „Hier, wollt ihr ’ne Kollaboration machen? Könnt ihr ’ne Mütze designen?“ Wir haben das dann gemacht, 400 Mützen gesignt und in unserem Merchandise-Store verkauft. Es ist auch schwierig, sich komplett frei zu machen. Man kann nicht generell darüber reden. Ich für meinen Teil kann sagen, dass sich dieser Punkt bei mir geändert hat und ich diese Widersprüchlichkeit auch zulasse. Das heisst ja nicht, dass man für gar nichts mehr steht und zu gar nichts mehr eine Meinung haben darf, nur weil man in ein paar Punkten schwimmt.
TU: Ich muss auch wirklich sagen, dass ich es geniesse, dass die Welt wesentlich komplizierter geworden ist als noch 1992. Da war alles noch viel klarer. Heute ist halt einfach total kompliziert geworden und das ist super. Die Leute werden quasi zum Nachdenken gezwungen und sie lieben es natürlich auch, sich politisch zu fühlen. Aber im Endeffekt, auch wenn du mir eine Ohrfeige gibst, zerbröckelt das auf dem Fussboden, weil sie einfach gegen gar nichts sind. Die sind gegen irgendwas, weil sie damit ein bestimmtes Bedürfnis in sich befriedigen: „Ich bin gegen verhungernde Kinder auf der Welt“. Ja, aber wer denn nicht? Dann machst du dir einen Aufkleber ran und dann bist du es offiziell. Aber wenn du nachfragst: „Bob Geldof, gut oder schlecht?“, kriegst du als Antwort: „Ja, äh, total gut“. Und dann sagst du: „Na ja, der hat aber auch für Massenumpflanzung in afrikanischen Ländern gesorgt, weil er dachte, die ganzen Armen müssen jetzt dahin, wo das ganze Bob Geldof-Geld ist, vielleicht war das gar nicht so gut.“ Und dann hörst du: „Ja äh, keine Ahnung.“ Politisierung in der Musik finde ich zu 95 % immer schlecht.
MH: So sieht es aus. Man schickt irgendwas los und dann wird das auf irgendeine Weise wahrgenommen und bewegt was in dem Menschen oder nicht. Das ist auf jeden Fall nichts, was man steuern kann oder das steuerbar ist. Also, ich kann mich an Fanpost von ganz früher erinnern, in der stand „Oh, das fand ich super“ oder: „Daraufhin hab’ ich mir das und das besorgt oder bin da und da hin gegangen“. Das ist schon so, dass es was losgetreten hat, und dass Leute einen plötzlich links überholt haben. Aber ich glaube nicht, dass das etwas ist, was man sich vornimmt oder steuert oder so. Das passiert mit manchen Leuten und mit manchen nicht.
FM: Aber man ist sich schon dessen bewusst, dass man einen gewissen Einfluss auf die Leute hat, die das hören.
MH: Man wird sich dessen bewusst, wenn das dann zurückkommt, es gibt ja ein gewisses Feedback. Mir ging es nie so, dass ich gedacht habe: „Für die Jungs lass’ ich jetzt mal einen raus.“
FM: Also, ich kann es nur bezogen auf Tomte sagen. Es ist einfach so, dass es Leute gibt, die einen gewissen Drang zu einer Zugehörigkeit haben, zu einer Szene, wo Thees ja dann doch fast als Galionsfigur für die Leute funktioniert.
TU: Vielen Dank. Ja klar, ich war da auch nicht anders. Nichts ist schöner, als wenn du als 14-jähriger einen Typen hast, an dem du dich orientieren kannst. Und jetzt kannst du über MySpace sogar noch Nachrichten schicken, und wenn der gut drauf junger Mensch. Nee, also das ist doch ganz normal, dass man sich mit 16 irgendwelche Leute sucht, auf die man steht und die Funktion eines grossen Bruders übernehmen, das ist mir durchaus bewusst. Wenn jemand zu mir sagt: „Ich fühl’ mein Leben durch dich abgebildet“, freut mich das natürlich extrem.
MH: Wir bei Freundeskreis haben damit aufgehört, weil ich da keinen Bock mehr drauf hatte. Das hat einfachso eine Eigendynamik gekriegt und hatte auch nicht mehr mit uns zu tun.
FM: An was für einem Punkt merkt man so was?
MH: In der Bravo erschien vor einigen Jahren ein Artikel über uns, der den Titel hatte: „Der Jesus von Benztown“ und es war die Rede vom „Che Guevara des deutschen Rap“. Der ganze Artikel war voll mit so ’nem Mist.
TU: Stell’ dir vor, die hätten „Fidel Castro des deutschen Rap“ geschrieben.
MH: Unser Problem war, dass wir etwas losgeschickt haben und uns keine Gedanken darüber gemacht haben, wie das wahrgenommen wird. Und dann haben wir natürlich auch viel Prügel bekommen. Ich weiss genau, was in der Spex steht, wann man das und das macht, weil es von den Leuten auseinander klamüsert wird, die am nächsten an dir dran sind, und die eben auch die Zutaten kennen. Und das passiert entweder wohlwollend oder eben nicht wohlwollend.
TU: Aber Erfolg ist ja auch nur eine Fügung des Schicksals. Und natürlich hört man sich am liebsten einen Liebessong von einem Typen an, von dem man denkt, der hat auch noch was anderes drauf. Und manchmal passt das alles zum Style der Zeit und dann explodiert halt so eine Sache. Und irgendwann guckt dann natürlich auch die Bravo darauf.
MH: Das war alles cool. Das Ding ist einfach, dass dann nur noch Briefe mit so politischen Forderungen kommen, wie: „Macht doch mal ’nen Song da und da drüber.“ Ich habe ein Schlüsselerlebnis – das war 1999. Ich hatte zu einer Podiumsdiskussion über Hip-Hop-Sprache an der Frankfurter Uni zugesagt. Und ich dachte, das wird bestimmt nett und dann sehe ich, dass das doch alles ein bisschen grösser war als ich dachte. Das war ein Auditorium mit 500 Leuten und wir hatten ein Podium ohne Mikrofon. Dann kam der Typ, der das geleitet hat, und meinte: „O.K., du fängst an mit deiner Rede, dann du deine, du deine und du deine. Jeder 20 Minuten.“ Und ich dachte nur: „Ich hab’ keine Rede, ich hab’ nix vorbereitet.“ Und da habe ich, glaube ich, entschieden, dass das aufhören muss, dass ich nur noch Liebeslieder schreiben werde.
FM: Thees, Du hast doch auch für die Spex geschrieben?
TU: Ich habe mal für die Spex geschrieben, ja. Damals war ein grosser Echt- Verteidigungsartikel drin, zu der unglaublich erfolglosen Platte „Rekorder“ oder wie hiess die? Aber da habe ich als Musikjournalist auch nur gearbeitet, wenn mich jemand gefragt hat. Ich will auch nicht sagen, dass ich Musikjournalist bin. Aber das ist für mich schon auch komisch, dass Menschen und Magazine, die du als Typ selber super fandest, dich jetzt scheisse finden. Aber davon muss man sich frei machen und da muss man sich sagen, dass man jetzt fünf normale Leute mehr in seinem Publikum hat und im Endeffekt ist man mit 34 aber auch so, dass man mit normalen Leuten mehr vom Leben spürt als mit einem frustrierten Kulturschaffenden. Aber Hass ist auch eine schöne Form von Anerkennung. Liebe mit Anspannung. Oder nicht mit Anspannung, sondern mit Attitüde. Das ist einfach so. Man muss mit sich selbst im Reinen sein und denken, das ist ein spitzenmässiger Song, mit dem man seine Lebensrealität abgebildet hat plus X. Und wenn man mit sich selbst im Reinen ist, wenn man ein reines Herz hat, dann gibt es da draussen immer Leute, die das connecten können – und das ist ein schönes Gefühl. Und dann noch Kohle, perfekt.
FM: Es geht also letztendlich für dich oder für euch als Künstler darum, dass das Ding, was ihr macht, euer Ding sein muss? Das Drumherum ist halt einfach die Art und Weise, wie man heutzutage Dinge an den Mann bringt, wie man Leute auf Konzerte bekommt, wie man sich schlussendlich auch sein Leben finanziert?
MH: Das ist für mich schon ein bisschen anders. Ich glaube, dass das, was ihr da macht, schon mehr gewachsen ist. Die Leute, die traditionell Freundeskreis gehört haben, hören heute keinen Rap mehr und viele von den Leuten, die heute Rap hören, können sich in mir und meinem Leben nicht wirklich spiegeln. Wir hatten immer so eine Sonderstellung, weil wir ständig ausgebrochen sind und einiges anders gemacht haben. Aber das ist eigentlich für mich eher stärker geworden. Das ist einfach das, was ich auch mit den Leuten aus meiner Umgebung, die mich beeinflussen, und mit denen ich mich im Dialog befinde, teile. Das entwickelt sich einfach woanders hin, auch musikalisch. Weniger Rap-, mehr Gitarrensachen.
FM: Ja, Songwriter-Schreibe?
MH: Ja, ich probiere das gerade.
TU: Ist nicht schwierig, das ist am einfachsten.
MH: Ja.
TU: Plus, das muss ich auch sagen, was du gerade meintest, man kann es ja ein bisschen umschreiben, dass du aus dem Hip-Hop in die angenehmste Definition von Popmusik…
MH: Das heisst auf Englisch Adult Contemporary.
TU: Das will ich auch machen. Und es ist natürlich auch ein schönes Gefühl, wenn du mit 35 Jahren einfach sagen kannst: Weisst du was, pass mal auf, du kannst mich anschreien, dass du mich nicht mehr geil findest. Aber wenn ich 40 bin, dann stehe ich hier und dann sind hier noch mal 1000 Leute mehr. Warum? Weil ich es machen kann. Du kannst halt mit 35 wie so ein Berserker rumgrölen. Oder hier, nächste Woche Dienstag vor dem Spar in der Oranienstrasse: da fängt die Revolution an. Es wird ja einfach irgendwann auch mal grotesk.
MH: Ich habe drei Jams mit Torch, Samy Deluxe, D-Flame und Afrob gespielt.
TU: Jetzt neulich?
MH: Ja, im Februar oder März (2008, Anmerk. d. R.). Es waren drei Konzerte hintereinander. Die Leute im Publikum waren natürlich alle 15 Jahre jünger. Und da hatte ich plötzlich so einen Roy Black-Moment. Ab jetzt nur noch das verwalten, was man kann, was man hat und wofür man für viele Leute vielleicht auch steht. Das funktioniert nicht.
TU: Verwalten ist auch wirklich das schlimmste.
MH: Ja, aber es ist eine Art von verwalten. Ich habe das Gefühl, die Leute wissen genau, wie der Song klingen muss, der als nächstes kommt. Und dagegen wehre ich mich. Auch wenn ich am Ende nicht weiss, wie erfolgreich.
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Wer hat das bloß abgetippt? Moods und Cool and The Gang…. herrje! herrje!

Kommentar von Monika Sundermann




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