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Hanna Poddig will Anderssein
Oktober 8, 2009, 10:41 am
Filed under: Heft, Literatur, politik, Reisen | Schlagwörter: , , , ,

Hanna Poddig wurde 1985 geboren, bezeichnet sich als ‚Vollzeitaktivistin’ und ist, laut Klappentext, engagierte Globalisierungskritikerin, Rüstungs- und Militarismusgegnerin. Jetzt hat das ehemalige Mitglied der Umweltorganisation Robin Wood ein Buch geschrieben, dass, so formuliert es mal wieder der Klappentext, auf eine Revolution im Kleinen abzielt. Poddig scheint also der Gut-Mensch zu sein, der sich, im modernen Verständnis von ‚links’, kritisch engagiert und den Widerstand anscheinend radikalisiert. Doch vielmehr geht es hier um selbstgerechte Zurschaustellung und dem Leben und Erleben von vermeintlichen Widerstand, der letztendlich auch nur als touristische Variante verstanden werden sollte. Im kleinen konfrontiert mit anders geartetem Geschlechterverständnis, können da zuweilen schon richtig rebellische Momente aufkommen: „Und das war der Moment, in dem ich mich geärgert habe, keine Kreide dabeizuhaben. Denn genau jetzt „Homophobie angreifen“ auf die Straße zu schreiben, wäre genau richtig gewesen. Ich mach mich schließlich nur selbst kaputt, wenn ich solche Erlebnisse in mich hineinfresse. Deswegen gilt: Wut zu Widerstand!“. Leider, und das kann fast jeder nachvollziehen, der sich schon mal an Gleise kettete, eine örtliche Antifa-Gruppe gründete oder sich ernsthaft vor Schwächere stellte, ist Widerstand mehr als eine Mode, die zum Zweck hat, das eigene Ego zu füttern, um sich besser zu fühlen. Leider nicht nur besser, sondern sogar besser als. Und das war schon immer gefährlich.

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Hanna Poddig „Radikal mutig – Meine Anleitung zum Anderssein“, 2009, Rotbuch, Berlin. (PB)

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22 Kommentare so far
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Homophobie als „anders geartete(s) Geschlechtsverständnis“ zu verharmlosen, halte ich für ein starkes Stück. Da hat Hanna doch ganz Recht. Mag sein, dass sie sich über andere erhebt. Aber die Erzeugung eines normativen Gefälles ist nun einmal Voraussetzung für Kritik am Bestehenden.Prost!

Kommentar von Knaxter07

Die Marketingmaschine Hanna Poddig brummt. Sie wird von Interview zu Talkshow gereicht, trägt immer – so ein Zufall – das T-Shirt mit dem Buchtitel. Das soll revolutionär seiN?

Kommentar von Helga

recht haben sie. in einem nach vorstellung von frau poddig „richtigen“ land, würden im supermarkt keine „essbaren“ lebensmittel weggeworfen, so wie die von denen sie aus dem abfall-container zu leben angibt. und auch ihre klamotten sind „wohlstandsabfall“, die sie in einem armen land gar nicht bekommen könnte.

Kommentar von vollzeitaktivistin im job

Toll. Soviel „Dagegensein“ habe ich zuletzt beim guten Öff Öff gesehen und dem ist doch zuletzt seine Waldfrau abgehauen. Also liebe Hanna, „Aufi!“ Da kann man so richtig radikal im Wald wohnen.

Kommentar von Sebastian

Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen, ist der Wahlspruch der Aufklärung. Wenn es mehr Menschen wie diese mutige junge Frau gäbe, würden wir nicht im Zeitalter der Aufklärung leben, sondern in einem aufgeklärten Zeitalter. Leider sind wir noch weit entfernt von einem aufgeklärten Zeitalter. Hierfür sorgen solche Leute wie der Chefredakteur der Welt, und der Moderator dieser Sendung.
Kniefall vor so einer tollen Frau.

Kommentar von Freier Denker

denk erst mal weiter – nur in einem wohlstandsland wie dem unseren kann ein mensch so problemlos von „abfällen“ leben, die ja mit den preisen im supermarkt verrrechnet werden mussten. lesen sie „walden“ von henry david thoreau, – also doch wieder wald, aber bitte wirklich AUTARK !!

Kommentar von vollzeitaktivistin im job

hallo hanna,
ich bin sehr beeindruckt…junge menschin mit prinzipien…ich möchte gerne mal mit dir…euch quatschen…es gibt viel zu tun !!!
Gruß Hans-Peter

Kommentar von Hans-Peter Busch

Zuerst möchte ich anmerken, dass ich 17 bin ^^.
Ich kenne viele Hippis aus den 60ern.. und eigentlich war das doch eine ziemlich gute Idee, die man da gelebt hat.. und irgenwie erinnert mich diese Frau daran. Ich bin nur nicht ganz sicher was ich davon halten soll, denn einerseits ist es eine gute Sache so ein Buch zu schreiben um den Menschen die Inhalte näher zu bringen… so haben sie etwas in der Hand, was sie im Internet oder im Fernsehen leicht verlieren würden (schließlich ist das menschliche Gedächtniss ja nicht unfehlbar). Aber andererseits finde ich, dass sie mit der Veröffentlichung, oder viel ehr mit dem VERKAUF ihres Buches paradox handelt. Sie ist absolut gegen die Gesellschaft und handelt doch sehr radikal (s. ihre Aktionen), doch mit ihrem Buchverkauf…. geht sie doch genau darauf wieder zu. Es ist wohl scheinbar doch unmöglich ganz auszusteigen (sie hat auch ökostrom), öf öf hat es auch nicht leicht… Ich bin mir auch nicht so sicher, ob das alles nicht nur Maketingstrategie ist. In einem anderen Text (Spiegel) stand drin, dass sie zurzeit sehr zufrieden ist mit ihrem Leben und sie für ihr Gewissen handelt und tut wozu sie lust hat. Sie könne sich aber, wenn sie später lust dazu hat, vorstellen zu studieren…. (Übrigens ich habe ihr Buch gelesen! Ich finde es gut, da die meisten Sachen sehr gut durchdacht sind und ICH finde die Aktionen und die Lebensweise auch NICHT zu extrem, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie komplett authentisch ist… JEder Mensch hat so seine Schwächen… und die Schwächen ihrer Lebensweise,(s. Verkauf ihres Buches und nicht verschenkung) werden in meinen Augen leider ignoriert…..

Naja ich werd da mal weiter drüber nachdenken und versuchen mir ne eigene Meinung zu bilden, bzw. zu festigen…..

Kommentar von Maren

mit 17 ist man noch nicht betriebsblind. bin mehr als 3x so alt und finde Ihre bedenken völlig richtig. – lass doch mal das mädel,das wie die made im speck lebt (die weggeschmissenen waren, von denen sie aus dem abfallcontainer des supermarktes lebt, werden ja von allen käufern des marktes mitbezahlt, und auch ihre klamotten hat mal ein wohlhabender weg gegeben, statt die letzten fetzen in einem armen land noch selbst zu brauchen und zu verwerten wie die leute aus der generation meiner eltern, die nach dem krieg aus den vielen kleinen fallschirm-stoff-streifen – seide! – ein hochzeitskleid genäht haben).- denken Sie weiter, maren!!!!
gruss, „vollzeitaktivistinimjob“

Kommentar von vollzeitaktivistin im job

Was ist das für ein Müll?

Warum regen sich die Leute auf, wenn eine Jeanne d´Arc des Klimawandels diese kleinkarierte Welt hier ein bisschen aufräumt? Wer bitte regt sich denn wg. eines kleines Buchehonorars auf und will den Wert des Inhalts damit untergraben?

Natürlich will diese Frau Präsenz, natürlich braucht diese Frau Präsenz! Und sie hat sie sich verdient. Menschen, die etwas bewegen wollen brauchen die Öffentlichkeit. Helden leben im Verborgenen und sterben jung. Sie ist und will keine Heldin sein, sie will wachmachen und Akzente setzen.

Es sei ihr gegönnt. Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Menschen geben würde, die ihrem Beispiel folgen. Der Widerstand ist so schwach geworden, dass es schon weh tut. Ich bin aber sicher, dass es bald so weh tun wird, dass der Widerstand gsd wieder an Kraft gewinnen wird. Endlich.

Hanna ist ihrer Zeit voraus.

Kommentar von Tintenherz

…aber ne geile mieze

Kommentar von hgiuh

frau poddig lebt auf UNSERE kosten, denn die käufer der supermarkt-waren müssen die „nicht-verkäufliche“ ware natürlich mitbezahlen. sie sollte mal versuchen, in einem land aus der gruppe der 10% ärmsten länder der welt auf „ihre weise“ zu leben. dann könnte sie verstehen, wie sehr sie auf die von ihr so sehr kritisierte wohlstands-lebensweise angewiesen ist!

Kommentar von vollzeitaktivistin im job

Sehr mutig, meist sehr klar und deutlich argumentiert. Toll, toll, toll! Da können die meisten Menschen nur den Hut vor ziehen!

Kommentar von Marc Inzinger

Ich finde es beachtlich das eine junge Frau…so viel Mut besitzt sich einer kritischen Öffentlichkeit zu stellen. Da es in unserer Gesellschaft immer mehr Mode wird sich zu beschweren und zu kritisieren, ohne aktive Veränderung zu praktizieren…ist es doch sehr erfrischend auch mal zu lesen…das es auch anders geht.
Sicherlich ist es in manchen Augen falsch, von „Müll“ zu leben, den wir mitbezahlen.
Doch sollte Mensch nicht vergessen …das erst das handeln etwas verändert und irgendwo der Schritt gemacht werden sollte. Und das gerade kritisiert wird das Sie gar nicht so Leben könnte, wenn Sie in einen ärmeren Land leben würde, find ich sehr erbärmlich.
Da wenigsten jemand den Mut findet etwas zu verändern…Mensch sollte Sie und alle anderen, die Versuchen eine Veränderung in dieser schrecklichen Kapitalistischen Welt, versuchen zu unterstützen und nicht zu kritisieren!!!Wenn der Weg ein friedlicher ist!!!

Kommentar von Milla

sie kann ja gerne so leben, wenn sie das möchte. nur sollte sie akzeptieren, dass sie damit in der minderheit ist, die meisten menschen möchten eben einen anderen lifestyle. wer das verbrennen von autos nicht verurteilt, sondern „im kontext“ sieht, befindet sich meines erachtens nicht mehr in der demokratischen gesellschaft. wenn das die waffen der linken sind, muss man sich nicht wundern, wenn sie irgendwann selbst brennen, was man dann natürlich auch „im kontext“ sehen muss.

Kommentar von Marco Martin

Es mag sein…das das Verbrennen von Autos nicht der richtige weg ist um ein Ziel zu verwirklichen!
Aber wer verurteilt die Staatsoberhäupter mit ihren Methoden…kriege zu führen und Menschen abzuschlachten…das is doch auch ein wichtiger Punkt…der nicht vernachlässigt werden sollte!
Und am Ende…is der Mensch ein Wesen…der für ihn den einfachsten Weg geht…und seine aggressionen freien lauf lässt…unüberlegt und am Ende auch ohne nutzen, aber eine Art letzter Versuch!

Kommentar von Milla

Eine Gesellschaft die sich eine Regierung wählt die die Vernichtung von Rohstoffen und Energie noch mit Steuergeldern befeuert nur um die Produktions-/Konsumtionsschleife im Interesse der Staatsfinanzen weiter beschleunigt, wird von allein sicherlich nicht aus ihrem Hamsterrädchen herausfinden. Schön wenn der unverstellte Blick, von dir Hanna, mal wieder die Augen öffnet wie absurd dieser Riesenschwindel, diese Massensugestion dieser – Konsum macht Glücklich Kampangne – öffentlich und unbeugsam formuliert wird!!!! Ein toller, unaufgeregter Auftritt – Respekt !!!

Kommentar von Lothar

mach einfach weiter mädel… irgendwann wachen die schafe auf… zumindest hoffe auch ich das…

Kommentar von freiheit?

Wenn wir uns alle entscheiden würden nach unseren Idealen zu leben würde diese Welt anders ausschauen. Wer nicht den Mut hat, das zu tun und sollte sich nicht anmaßen, das Leben anderer zu verurteilen. Ob jemand Containert oder Selbstversorgung anstrebt, entscheidend ist, dass er/sie sich aus dem System ausklinkt, einen Schritt in die richtige Richtung tut. Wir sollten lieber versuchen uns gegenseitig zu stützen als ständig zu kritisieren. Aktion ist angesagt und am besten fängt man bei sich selbst an.

Kommentar von mo the first

Wenn einmal der Tag käme, wo die breite Masse einen
politisch durchdachten Widerstand leisten würde, dann würde sich die „wahre“ Linke natürlich schleunigst davon disatnzieren, da sie sich ihres avantgardistischen Selbstbildes beraubt fühlte. Schade eigentlich.

Kommentar von neb

Kommentar von Öff Öff ( http://www.die-schenker.net ):Ja, ist doch schön, wenn die gute Hanna Poddig kräftig gegen das jetzige System, nicht nur Konsum etc. sondern auch gegen Herrschaft(Staat) und Geld auf die Pauke haut… Auch ich sehe allerdings noch „strukturelle Schwachstellen“ wie, daß sie wohl einen Ausweis besitzt, durch den sie die Herrschenden legitimiert, auch in ihrem Namen und Auftrag zu herrschen… Und indem sie noch Bücher etc. kommerziell verkauft usw… Liebe Hanna (und andere Leser hier): Das ganz andere Leben, auch konsequent ohne Luxus, Staat und Geld, nur mit liebevollem Schenken und radikaler Natur-Integration, ist möglich! Als sehr direkte, auch schon individuelle Umsetzung! Anders leben ist die wichtigste Aktion!!! Ich lade Hanna und alle anderen hier zum Kontakt und gemeinsamen Nachdenken über die ganzheitliche, organische Revolution ein!!!!

das Öff Öff, Gründer der „Schenker-Bewegung“ für eine unideologische Revolution der Vernunft und Liebe. Einziger „Programm-Punkt“: Wir brauchen genug Vernunft und Liebe unter den Menschen, damit sie gesamtwohl-konsens-fähig werden — und man ihnen endlich vertrauensvoll alles andere zur Entscheidung in die Hände geben kann… Wir brauchen nicht so sehr Druck auf Politiker, sondern ein grundsätzlich anderes politisches System: ein „Konsens-System global verantwortlichen Teilens“…

Kommentar von Öff Öff Jürgen Wagner

Ich glaube, die liebe Hanna steht auf verlorenem Posten ?“
Sie wird nichts „Direktes“ veraendern koennen !“
Auch Sie ist kapitalistisch – zumal Sie von verschidenen Tantjemen lebt.
Moeglicherweise wird Hanna Poddig noch oeffters im Knast landen , bis selbst Sie keine Lust auf „Aktivismus“ mehr hat !“
Die Staatsmacht wird Sie irgendwann klein kriegen !“
Sie ist wie : Einer sprang ueber’s Kukuksnest !“
Letztendlich kommt Sie fadenscheinlich in die Psychartrie !“
Das waere schade !“

Kommentar von Klaus




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