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Polarkreis 18 fürs Volk
November 15, 2009, 7:15 pm
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Polarkreis 18 sind sowas wie die deutsche Band der Stunde, Everybody´s darling. Die Bande kann überall spielen – ob auf den populären Festivalbühnen, auf der eigenen Clubtour oder auf der Berliner Fashion Week für ein Modelabel. Da stellt sich die Frage, ob man sich selber verheizt, doch das kann und darf nicht die Sorge der Firma T-Mobile
sein.

Die erfreut mit ihren „Street Gigs“ seit einigen Jahren die pophungrige potenzielle Kundenschar und entsendet aktuelle Chartsbesucher an entlegene, exotische Plätze – popfremd und unbespielt. Diesmal durften es Polarkreis 18 versuchen, unter dem Magenta-Label für Stimmung zu sorgen. In der Eissporthalle in Frankfurt, outdoor und in frühwinterlicher Kälte. Welch passender Rahmen. T-Mobile hatte nicht nur den Fans Freitickets spendiert sondern der Band auch noch ein Orchester verpasst. Mit knapp 30 Musikern im Rücken und 500 Neugierigen vor der Brust. Und alle warteten nur auf: Die aktuellen Hits aus der Kehle des weißgewandeten und in seinen Gesten um Intimität bemühten Sänger Felix Räuber. Und die kamen, alle.

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Dabei vergisst man leicht, dass es auch ein künstlerisches Leben vor „Allein, allein“ für die Dresdner gab und das war musikalisch ungleich imposanter als die nach dem perfekten Popsong strebende Gegenwart. Und das ist die Tragik des großen Hits: Es waren die Nummern vom Debüt „Polarkreis 18“, die eingefrorene Füße wieder warm werden ließen. Fast machte es den Eindruck, als würde sich die Band mit ihrem aktuellen Material einfach nicht mehr richtig identifizieren können. Und es wäre kein Wunder, so wie die sechs Musiker in diesem Jahr auf den verschiedensten Bühnen herum gereicht wurden. Wenn nach fünf Minuten die ersten „Allein, allein“-Rufe durch die klirrende Luft irrlichtern, fühlt sich der Musiker wohl provoziert und legt seine Energie in den Backkatalog. Energetisch, animierend und mit Frontflummi Felix Räuber immer wieder an der Gitarre, machten die nicht in Routine erstarrten Songs an diesem kühlen Dienstag Abend in Frankfurt am meisten Spaß.P1020352

Und wo wir vor einigen Zeilen bei der Anklage waren, Polarkreis 18 wären seit 2008 auf der Suche nach dem perfekten Popsong: Mit „Allein, allein“ haben sie ihn gefunden oder ihn wenigstens ganz, ganz eng eingekreist. Das wurde nach einer guten Stunde wieder einmal deutlich, als wieder einmal so ein Routineakt der aktuellen Polarkreis 18 die Spontanität der alten zurückdrängte. Das Publikum durfte doch einmal mitmachen, in die Knie gehen und dann auf Kommando aufspringen. Muss so etwas sein? Ja, es muss scheinbar sein, weil die Band inzwischen sich und ihre Performance nach den Regeln des Pop stylen muss. Aber den Leuten ist es egal, sie freuen sich, dass sie Teil der Darbietung werden dürfen. Und am Ende ist es ja auch das, worauf es bei populärer Musik ankommt. Gib den Massen, was sie lieben. Magenta hat seinen Auftrag erfüllt – modernes Kultursponsoring in seiner schönsten Form!

(Till Erdenberger)

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