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Streetart, Spring!

Der Frühling hat begonnen.

Dies, werte Leserschaft, lässt sich nicht nur daran feststellen, dass die Sonne früher auf- und später untergeht. Oder vielleicht daran, dass wir, dank (in der Hauptstadt gemessenen) 19°C nunmehr langsam dem Zwiebellook Lebewohl und körperbetonter Kleidung Hallo sagen können. Und ganz bestimmt daran, dass wir, wenn wir denn aufmerksam genug sein sollten, jeden Tag neue Farb-Knospen an den Fassaden aufblühen sehen. Die Zeit des Winterschlafes ist vorbei und so kriechen die, welche beim Ausüben ihrer Kunst das Tageslicht meiden müssen, nach Einbruch der Dunkelheit aus ihren Großstadthöhlen, um Wände, Türen, Mülleimer, Pflastersteine, Bäume, kurz, jede Form von geeignetem Untergrund mit ihren Zeichen zu versehen. Dass diese Zeichen so vielfältig sind und sich der gemeine Streetart-Künstler verschiedenster Techniken bedient, um sie zu setzen, seine Zeichen, das macht diese urbane Kunstform so anziehend und gleichsam abstoßend. Denn jeder kann ein Paper an einem Laternenpfahl befestigen oder ein willkürlich gewähltes Tag an die nächstbeste Klotür schmieren. Gut muss das Ganze noch lange nicht sein.

Obwohl spätestens seit Banksy, dessen Name den in die Urban Art-Szene involvierten Individuen schon längst aus dem Hals hängen sollte, Streetart auch global als gut – und teuer! – angesehen wird und den Weg in die zahllosen Galerien der Großstädte dieser Erde geschafft hat, es ist noch lange nicht soweit, dass die breite Masse beim Wort Graffitti nicht an Vandalismus denkt. Die Berliner Szene ist besonders engagiert dabei, Streetart und Graffiti salon-und galeriefähig zu machen. Und neuerdings gibt es sogar Unterstützung von der Stadt. Seit dem ersten April arbeiten vier international bekannte Graffiti-Künstler am Steglitzer „Bierpinsel“: Flying Förtress, Sozyone, Honet und Craig „KR“ Costello arbeiten für sechs Wochen an den 2000qm Fassade des 46 Meter hohen Turms aus den 70ern.

Im Turm stellen neun weitere Künstler aus und auch die nähere Umgebung des Turms, beispielsweise der U-Bahnhof Schlossstraße, werden von Streetart-Künstlern verschönert. Intention der Wiederbelebung des schlafenden Riesen war laut den Initiatoren folgende: „Mit dem Projekt TURMKUNST 2010 wollen wir die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst weiter voran treiben. Die Form des Bauwerkes, als auch die Arbeitsweise sind allein schon eine Herausforderung, die nur wenige Künstler meistern können. Dazu ist es unsere Intention, die Berliner Kunst- und Kulturlandschaft anzureichern und zu bereichern, nicht zu duplizieren: Deshalb Street Art und keine klassische Malerei, deshalb Standort Steglitz und nicht Mitte.“

Die Künstler sind täglich bei der Arbeit zu beobachten, aktuelle Bilder gibt es im Netz unter just.ekosystem.org/BLOG/.

TURMKUNST 2010 ist (nach der Berliner Mauer) zweifelsohne das größte Graffittiprojekt, das sich jemals in der Hauptstadt abgespielt hat. Ein Meilenstein für die Szene; höher, größer, besser. Doch nicht nur der Bierpinsel und die damit verbundenen Aktionen lassen im April die Herzen der Streetart-und Graffitiliebhaber höherschlagen. Morgen Abend lädt das Stattbad Wedding zur Vernissage von „A Touch Of Evil“, wo die polnischen Schwestern Beata and Anna Niedhart, sowie Dord Burrough,
Drobczyk,
Anna Vo, Nikko Barber
und Infinite Livez ihre Arbeiten (ausnahmsweise mal auf Papier gebannt) ausstellen.

Eine komplett neue Interpretation urbaner Kunst wird ab dem 30. April im systM zu sehen sein. Die Constructed Styles-Ausstellung stellt die Verbindung von LEGO und Graffiti namhafter Künstler aus der Street Art-Szene her. Die Umsetzung von Graffiti ins Dreidimensionale ist einzigartig; eine Symbiose aus Kunststoffsteinen in grellen Farben und prägnanten Graffiti-Schriftzügen. Die ausgestellten Kunstwerke sind das Ergebnis der LEGO Graffiti Convention im Dezember 2009 in München. systM zeigt Werke der Street Art-Künstler Cole Blaq, Orion Pax, Buntlack, Acid79, Chill, Baks, Diablo, Pley, Riko und Thesigner. Der für seine „Dispatchwork“ weltbekannte Künstler Jan Vormann sorgt für LEGO-Objekte an Häuserwänden in der nahen Umgebung der Galerie.

Drei ausgesuchte Urban-Art-Happenings für diejenigen, deren Durst nach neuen Bildern das S-Bahnfahren nicht mehr stillen kann. Denn gerade dort trägt der Frühling seine schönsten Früchte. Augen auf.

(Teresa Mohr)

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