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Schreuf, Unstern & Knyphausen – Männer machen Musik
April 26, 2010, 8:56 am
Filed under: Musik | Schlagwörter: , , , , ,

Sexy will keine dieser drei neuen Platten sein, soviel ist sicher. Wer trotzdem Sexyness verspürt, der hat entweder ein tiefsitzendes Problem oder einfach nur seit Ewigkeiten keinen guten Sex mehr. Doch Musik muss ja auch nicht immer sexy sein. Nicht auf den ersten Blick. Und in diesem Fall auch nicht auf den zweiten. Doch diese drei Platten sind trotzdem mehr als Alkoholproblem, MännesSchweiß oder lonesome cowboy – das merkt man gleich. Kristof Schreuf, Ex-Kolossale Jugend, kämpft, leidet und referenziert sich in rougher Soundästhetik und mit seiner Gitarre sprichwörtlich durch die moderne Popgeschichte, Hans Unstern begibt sich auf etwas aseptische Art und Weise eher in eigene, statt musikalische Untiefen und Rolling Stone-Liebeling Gisbert zu Knyphausen macht einfach da weiter, wo er mit seinem Debut angefangen hat und besingtdas Verweilen in Endlichkeit. Von allen drei Platten, die der Zufall und die Willkürlichkeit auf meinem Schreibtisch zusammengeführt hat, ist letztere diejenige, die am vertrautesten klingt und Gisbert etabliert sich als vielleicht eine der wichtigsten Songwriter unserer Tage. Über Relevanz lässt sich ja bekanntlich streiten, doch die Schönheit, die manch einer seiner Songs auszustrahlen im Stande ist, ist unbestritten. Da kann man auch kleine Peinlichkeiten, wie eine nach dem Sänger benannte und limitierte Sonderabfüllung Pinot Noir aus dem elterlichen Weingut Baron zu Knyphaussen, ausnahmsweise mal verzeihen. Doch einem diffusen Gefühl nachgebend, schafft es auch diese Platte nicht, mich an sie zu schweißen. Das haben alle drei Neuerscheinungen gemein. Dies näher zu benennen fällt naturgemäß schwer, doch sind es Platten, denen man, denen ich, nicht alles abnehme, was da an möglicher Aussenwirkung und Ausstrahlung angedacht war. Hans Unrat bringt dieses diffuse Nicht-Behagen in einem seiner Songs ganz schön auf den Punkt: „Kratze den Mann aus dir raus/ Verrate die Laender deiner Vaeter/ Keine Arme keine Beine/ Keine Ohren nur Gefieder/ In der Ferne singt eine starke Stimme deine Lieder/ Du kannst es nicht mehr hoern/ Es klingt wie jubelnde Sieger/ Du hast nichts mehr zu melden“. Doch irgendwie geht es weiter. Der Bart wächst. Die Geschichten verändern sich und so auch die Sichtweisen und vielleicht höre ich diese drei Platten und Songs wie Paris von Unstern, Melancholie von zu Knyphausen oder das sperrige „Search & Destroy“ von Schreuf im Herbst noch einmal ganz anders. Vielleicht entpuppt sich so manches als Grower, als Song für eine der persönlichen Bestenlisten. Vielleicht interessiert es mich aber dann auch schon gar nicht mehr.

Gistbert zu Knyphausen „Hurra! Hurra! So nicht“ ist soeben bei Pias erschienen und „Bourgeois With Guitar“ von Kristof Schreuf bei Buback. Hans Unstern „Kratz Dich Raus“ erscheint bei Staatsakt.

(EB)

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