Faceyourmagazine's Blog


So wie Tag und Nacht, im Schatten und im grellen Licht, behutsam und polternd – Ein Abend um Sophie Hunger
Juni 1, 2010, 10:13 am
Filed under: Musik, vor ort | Schlagwörter: , , ,

Im Dezember bei Sido war es hier nicht so voll. Und nicht so schön. Siebenundzwanzigster Mai. Astra Berlin. Viele Brillen. Viele Grüppchen aus drei oder vier Frauen. Auszüge eines Indie-Publikums. Radio-Fritz oder MotorFM-Hörer. Selten stilsicher, heute abend jedoch zielsicher am richtigen Ort. Der Schlagzeuger einer deutschen Indie-Band humpelt mit Gips und Krücken vorbei. Respekt. Auf dem Immergut musste der Sänger deshalb wahrscheinlich Geschichten lesen. Dann Sophie Hunger. Alles stimmt. Licht. Sound. Die begleitenden Musiker. Alles schlicht, zurückhaltend, alles um Fräulein Hunger kreisend. Man fühlt sich schlecht und gut. Man fühlt sich ertappt und ausgeleuchtet. Die intime Unnahrbarkeit ihrer Bühnenpräsenz macht einen still und starr staunend. Man fängt an zu ahnen warum man hier und noch nicht beim heute stattfindenden Mitte-Szene-Event mit Lykke Li ist. Doch es treibt an. Es zieht weg. Die alte Angst etwas zu verpassen oder Gruppenzwang oder, wie man auch öfters sagt: Biz.

Zehn Minuten Taxi in eine andere Welt, der Empfang, die Gästeliste, das weitläufig hergemachte Ambiente; das Raumkonzept aus großen Quadern, die labyrinthisch angeordnet den Weg zu Bar, Bühne und Präsentationsfläche weisen. Dort steht ein Auto. Ab und an setzt sich jemand rein. Ab und an poliert jemand die Fingerabdrücke weg. Ab und an trifft man jemanden, den man nicht scheiße findet. Es gibt Whiskey Sour: Bourbon, Zitronensaft, Limette und Zuckersirup. Keine Ahnung was drin ist. Und Wieviel. Er schmeckt etwas sauer. Doch es gibt auch Bier. An einer anderen Bar. Näher am neuen Volvo. Ich glaube er war weinrot. Eine Art von Weinrot. Ich mag Volvo. Lykke Li war schon auf der Bühne. Drei Songs. Jemand sagt es waren mindestens gefühlte sechs Songs. Egal. Weit nach Mitternacht kommt sie nochmal auf die Bühne. Für gefühlte zwei Songs. Ein paar Beats. Ein bisschen posieren. Ist ja gut, wir haben verstanden. Heute keine Burka als Bühnenshowelement? Das ist der Gegenentwurf. Schnöder Hype. Für eine Tat wie die meine an diesem Abend, für diesen Akt der Verweigerung zugunsten schnöder Dekadenz, wird man in anderen Kulturen erschossen. Nochmal Glück gehabt.



(JF/ Fotos: Matthias David; Die aktuelle Platte von Sophie Hunger „1983“ gibt es zum Glück überall)

Advertisements

Schreibe einen Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: