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Zu Besuch auf der c/o flop: Rundgang & Rückblick
Juli 7, 2010, 7:55 am
Filed under: Musik, Taktik, vor ort | Schlagwörter: , , , , , , , ,

Das Journalistendasein bringt viele Vorteile mit sich: Man trifft interessante Menschen, geht auf ebensolche Partys, oder zumindest solche, die dies von sich behaupten. Dank Presseausweis kommt man in en Genuss einiger Vergünstigungen wie zum Beispiel freier Eintritt in alle deutschen Museen. Und hin und wieder springt auch mal eine Akkreditierung für ein Festival raus. So zum Beispiel bei der diesjährigen c/o pop in Köln, der kleinen, aber mittlerweile sehr selbstständigen Schwester der nach Berlin verzogenen Popkomm.

Während der zeltaffine Teil der Festivalgänger am vergangenen Wochenende das schöne Wetter auf der Fusion genoss, reisten weniger campingbegeisterten Musikfreunde in Scharen in die Domstadt, um von Mittwoch bis Montag eine Auswahl der zahllosen Festivitäten zu besuchen. Unter ihnen auch eine Reihe akkreditierter Journalisten und Fotografen, für die neben Feierei vor allem auch Arbeit auf dem Plan stand.

Zu der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch kamen denn auch viele der geladenen Gäste, schließlich wurde dort strategisch günstig auch die WM-Partie Deutschland-Ghana übertragen und der Sieg der Deutschen Mannschaft machte Lust, anschließend von dort aus weiter zu ziehen. Die Auswahl war – Wochentags sein dank – recht überschaubar und der Grad der Clubbefüllung noch erträglich. Im Stadtgarten wartete Balkan-Popper Shantel mit seinem Bucovina Club Orkestar auf und beglückte eine handvoll Weltmusikfans, im Studio 672 wunderte man sich beim „Deep Vibes Showcase“ mit Sascha Dive, Ray Okpara und Dorian Paic über mangelnde Partzipationsbereitschaft – war doch eben diese Veranstaltung im Vorjahr bereits ziemlich überlaufen. Blame it on the sun, dachten sich wohl die Veranstalter, und ein bisschen auch noch on Fußball, schließlich fühlten sich viele nach der gewonnenen Partie nicht nach Party, sondern eher nach Kneipentour.

Der Donnerstag übte sich das Programmheft dann schon in Superlativen. Den Anfang machten die Franzosen von Phoenix, die gemeinsam mit James Yuill bei strahlendem Sonnenschein das Parkdeck der Kölnmesse in Deutz bespielten. Gastgeber waren die Telekom Street Gigs, der Eintritt war frei, jedoch glücklichen Gewinnern einer Verlosungsaktion vorbehalten. Wer nun auf dieser, der „falschen“ Rheinseite verweilen wollte, den zog es anschließend ins Gebäude 9, wo das bei Ninja Tunes gesignte Duo Coldcut ein „VJ-Cinema“ veranstaltete. Gesponsert von der Energy Union gab es dort Projektionen zum Thema Natur und Leben zu sehen, die live mit einer Soundcollage unterlegt wurden. Was im letzten Jahr bei Wolfgang Voigts Projekt „Gas“ den gesamten, großen Kinosaal des Cinedoms zu füllen vermochte, wollte so recht niemand interessieren. Milde Außentemperaturen luden eher zum Club- und Barhopping in der Kölner Innenstadt ein, zum Beispiel in die Opernterassen, wo die Technoveteranen von M.A.N.D.Y. bei der Get Physical Night die Masse nicht so recht zum Bleiben überzeugen wollten. Ziemlich physical gettete es dafür später im Roxy, wo die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindende Cómeme Night unter dem gefühlten Motto „Sweat, sweat, sweat“ stand. Selbst den dank ihrer südamerikanischen Herkunft an hohe Temperaturen gewöhnten Djs Matias Aguayo, Rebolledo, Diegors und Korkut Elbay standen angesichts der Raumtemperaturen der Schweiß auf der Stirn – wer bereits im Vorjahr in der Absteige unweit er Kölner Partymeile zu Gast war, wusste was ihn erwartete und kam dementsprechend leicht gekleidet. Während sich das Roxy über zahllose nasse Leiber freute, spielten im Studio 672 Jamaica vor einer, nun ja, sagen wir mal handverlesenen Anzahl von Besuchern. „It’s great to play in front of twenty people“ merkte der Sänger an – der leicht sarkastische Unterton kaum überhörbar. Diese twenty people jedoch fühlten sich selbst in den überschaubaren Räumlichkeiten des Studios leicht verloren statt zum Bleiben animiert. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, den ersten Live-Gig Chloés, der um drei im an das Studio angrenzenden Stadtgarten stattfand, vorzuziehen? Viele verschlug es nämlich zwecks Überbrückung der Wartezeit einfach in eine der angrenzenden Bars, wie zum Beispiel die Barracuda Bar, die zunächst mit geöffneter Fensterfront und anschließend mit der KI:DS Labelnight überzeugte. Nur wenige fanden anschließend den Weg zurück, einige entschieden sich stattdessen dazu, das erst 2009 eröffnete Coco Schmitz zu besuchen, in dem Schaeben&Voss, Coma und Eric D. Clark eher für leere Flaschen als für volle Gäste musizierten.

Aber mit Beginn des Wochenendes am Freitagabend würde alles besser werden, so war man überzeugt. Nachdem ein Interview mit dem wohl musikalischsten Doktor der Mathematik, Caribou, Lust auf das Spex Live Konzert mit eben jenem, sowie der Urmutter des Schwedenpops Robyn und den Opinion Leadern der Hipster Crowd Bonaparte, machte, zog zunächst das Spiel Brasilien-Portugal zu Unrecht das Interesse auf sich: 90 Minuten reinste Langeweile. Schlau war, wer zwecks WM-Public-Viewing den Biergarten des Stadtgartens aufsuchte und auch dort verweilte. Bei Spex Live im Gloria hieß es nämlich bereits um halb zehn: Einlass nur mit Ticket, nicht mit Bändchen. War man zunächst davon ausgegangen, dass der gelb leuchtende Schmuck am Handgelenk dem Normalsterblichen den Status eines V.I.P.s sichern und den Weg in jeden Club ebnen würde, hier wurde man eines Besseren belehrt und bekam einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Tagen zu erwarten war: verschlossenen Türen. Wenigstens der Stadtgarten zeigte sich kulant und so durfte man im Studio einem bezaubernden Konzert der Leipziger Band Good Guy Mikesh beiwohnen, deren Debütalbum im September diesen Jahres erscheinen wird und die in der Sängerin der oben im Stadtgarten souverän performenden Band Bonjay bereits einen großen Fan gefunden hat.

Freunde der härteren Spielart von Tanzmusik kannten indes nur ein Ziel: Die Kompakt 3000 Party in der Papierfabrik. Und wie viele Freunde kamen! Die Partylocation fasst rund 2.500 Menschen, und fast ebenso viele pilgerten auch nach Ehrenfeld. Da dies absehbar war, hatte sich der Eintrittspreis gewaschen: 20 Euro – für senstionelle Acts wie Gui Borrato, Walls, Matias Aguayo und Ewan Pearson hätte man sicher noch mehr verlangen können. Wer 70 Euro für ein Festivalticket bezahlt hat, legt doch bestimmt gerne noch etwas drauf! Und Superpitcher sieht man in Köln ja auch nicht alle Tage! Die schlauen Füchse sichert sich schon mal einen Platz auf der taschenbuchdicken Gästeliste, ansonsten hieß es am Eingang: leider kein Einlass mit gelbem Bändchen. Der Frust war groß, noch größer jedoch wurde er, wenn es nun doch gelang, in die heiligen Hallen vorzudringen und man sich dort durch einen schier unermäßlichen Haufen verschwitzer Dorfraver zu quetschen. Glücklich der, der Zuhause geblieben!

Neben dem Publikum der Kompaktparty wirkten die Besucher der wegen des deutschen Achtelfinalspiels am Samstag stattfindenden Pollerwiesen gerade zu grundsympathisch, obwohl es doch gerade diese Wald- und Wiesenraver sind, die sich oftmals für das Fortbleiben der fashiongeneigten Feierszene verantwortlich zeigen. Zur Vintage PollerWiesen, seit Jahren erstmals wieder auf dem namensgebenden Areal nahe der Südbrücke stattfindend, reisten nicht nur Jünger der ersten Stunde wortwörtlich mit Kind und Kegel (oder Federball) an um unter dem Motto „Unser Sommer“ durch eben diesen zu tanzen. Der Eintritt war frei und somit wurden mitgebrachte Moneten in Flüssignahrung umgesetzt, während Local Hero David Hasert in dunkelblauem Unterhemd optisch den Vergleich mit Überraschungsgast DJ Hell provozierte. Zu den südamerikanischen Klängen von Reboots „Caminando“, meisterhaft inszeniert durch Tobi Neumann, kreisten Bierbäuche und Hausfrauenhüften und verbreiteten Beachpartyflair auf den Rheinwiesen.

Während man anschließen im Gloria bei der „Smile vs. Deep“ verzweifelt auf den Rest der Raver wartete und in Erwartung des unüberschaubaren Massenandrangs präventiv Bändchenträgern den Einlass verweigert und daher zu später Stunde in kleiner Runde feierte, gelang der Partyreihe Rote Liebe ein Supercoup. Offiziell nicht zur c/o pop zugehörig, hatten die Veranstalter sich strategisch smart den Jugendpark – der angestammten Pollerwiesenarea – gesichert und locke alles, was den Tag ohne Sonnenstich überstanden hatte, zum tanzen. Wenigstens war hier schon zuvor klar, dass vor dieser Tür alle gleich (zum Zahlen gezwungen) sein würden.

Vom lauter vor verschlossenen Pforten stehen gefrustet, tat man am Sonntag gut daran, nach gewonnenem Achtelfinale sich dem Autokorso anzuschließen oder zumindest grölend durch die Innenstadt zu rennen, auch wenn man sich im Stadtgarten Munk & Telonius und Die Sterne hätte anschauen können – wäre man früh genug dort gewesen oder hätte auf der Gästeliste gestanden, so munkelte zumindest die Gerüchteküche. Viele traten daher nicht einmal mehr den Weg an.

Am Montag bewahrten die drei schmucken Jungs von Aufgang den letzten Tag c/o pop vorm Untergang. Selten zuvor hat man Pianisten derart durchdrehen sehen. Auch wenn das Grand der Masse eigentlich wegen Bugge Wesseltoft & Henrik Schwarz gekommen war, die vor allem durch Comedian-Qualitäten überzeugten, herrschte abschließend Einigkeit darüber, dass Aufgang von sich behaupten kann, das Highlight der diesjährigen c/o pop gewesen zu sein. Darüber hinaus wurde bei dieser Veranstaltung auch vorab kommuniziert, dass eine separate Akkreditierung für den Einlass von Nöten war.

(Frederike Ebert)

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