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Wege nach Wilsnack, dem Glück entgegen! Weg von Millionen, hier können wir bald alleine wohnen: Brandenburg Oder Pilgern ist keine Fun-Sportart
Juli 26, 2010, 9:34 am
Filed under: Reisen, vor ort | Schlagwörter: , , , ,

Mit Pilgerstätten hatten wir es an dieser Stelle ja schon mal zu tun und man muss sagen, dass ‚Pilgern‘ ein in letzter Zeit sehr inflationär gebrauchter, gehörter und angewandter Begriff zu sein scheint. Doch die Adaption bewährter und traditioneller Reinigungs- und Selbsterfahrungsformen ist durchaus legitim, wenn moderne und zeitgeistige Ansätze versagen. Wenn die Stadt zu sehr von einem frisst. Man kennt das in Berlin: Der bewegte Geist ist stets willig, doch das faule Fleisch ist schwach. Oder Geist und Fleisch sind beide schon am Arsch. Ein Umstand den es zu überwinden gilt und wenn ein Wille erstmal Funken schlägt, dann gibt es auch ein Bluwunder. Und dieses Blutwunder wurde bis zur Reformation in Wilsnack besucht und bestaunt. Und nach Wilsnack führt der Weg in die Reinigung bzw. in den Schnellwaschgang, vergleicht man das mit Routen wie der nach Santiago. Aber mühsam nährt sich das Eichhörnchen (wurden auch gesichtet) und so führte der Weg, der sich als strammer Marsch herausstellen sollte, von Henningsdorf, über Flatow, dem Storchendorf, Linum, Fehrbellin und Wusterhausen bis nach Kyritz. Wunderschön. Ruhig. keine Menschenseele. Ein Reh auf der alten Hamburger Poststraße, Lachen im Wald. Frisches Wasser aus dem Wasserhahn des kleinen Dorffriedhofs. Unglaublich schlechtes Essen. Nette Menschen. Mürrische Typen. Ein Gewitter. Die heißeste Woche in Deutschland seit Aufzeichung der Temperatur. Blasen an den Füßen. Schmerzen. Tiefe Erschöpfung. Ein unendlich weites und klares Sternenzelt. Ein See. Eine Bootsfahrt. Ein Kennenlernen. Ein Treffen im Wald, auf weiter Flur, mit sich selbst. Und plötzlich stellt man fest, wie gut wir gelernt haben uns zu verstellen. Und da wir uns zuviel zumuten, geben wir auf. So auch dieses Mal. Wundwasser statt Bluwunder. Eine letzte Nacht am See. Doch jetzt haben wir eine Ahnung und werden weitermachen. Zurück in die Stille. In die Einsamkeit. Im Herbst. Oder nächstes Jahr zur Fashion Week.

Reiseredakteur Boris Guschlbauer an der Schlafstätte im Gemeindehaus von Flatow. Ein Ort der Ruhe mit einer schönen, kleinen Kirche und mit zur DDR-Zeit mit Holztapete eingewickelten, restaurierten Orgelpfeifen. Hier ist man als Pilger willkommen und Mr. Sandow, Mitglied des Kirchengemeinderats, stets bereit einen in die Geheimnisse der kleinen Liegenschaft einzuweihen.

Schmerzen, Erschöpfung, Rast. Teresa Mohr, diese junge Frau, diese unglaubliche Musikredakteurin ist ein Vorbild für alle, die glauben, es gibt kein Leben nach dem Chillen. Es gibt nur eines davor.

Der Scheitel sitzt. Der Körper schwitzt. Auch Chefredakteure sind nur ganz normale Menschen aus Fleisch und Blut.

Der Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack

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