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Herr von Grau: Live und in Farbe
Oktober 21, 2010, 10:57 am
Filed under: Musik, vor ort | Schlagwörter: , , , ,

Es lässt sich eine Wandlung im deutschsprachigen Rap erkennen. Eine Entwicklung, die so manchem mit mehr als zwei grauen Zellen im Oberstübchen doch sehr entgegenkommen dürfte. Nennen wir sie: Entaggroisierung.

Und keiner soll mich missverstehen. Ich mochte AggroBerlin und was sie so in der BRD losgetreten haben. Leider, und das wurde mir sogar vom Macher selbst bestätigt, litt ab einem gewissen Punkt das Niveau doch allzu sehr. Doch zu spät die Erkenntnis: der Aggrokeim wuchs in unzähligen Dörfler- und Städterheinis mit zu viel Zeit, zu wenig Gehirn und zu hohem Drogenkonsum scheinbar unaufhaltsam. Doch nun die Kehrtwende. Nicht nur, dass alteingesessene Aggros wie Savas(der nie bei Aggro war, aber so gerappt hat) und Sido ruhigere Töne anschlagen. Auf einmal erlangen sogar Consciousrapper wieder etwas ansehen. Wobei hier mit Conscious nicht Rap à la „die Firma“ gemeint ist. Ich spreche von dem bewussten und vor allem verantwortungsvollen Umgang mit Sprache und Worten: Akrobatik, Wortwitz, Lyrik. Das schließt eine explizite Wortwahl nicht aus und kann erst recht lustig sen. Einer davon ist Herr von Grau, wobei man mittlerweile nicht mehr von ihm, sondern ihnen, nämlich Herr von Grau selbst und seinem DJ Kraatz, sprechen muss. Ihr zweites Album („Heldenplätze“) haben sie mittlerweile veröffentlicht und dies mit einer Tour zelebriert-Endstation in der Maria am Ostbahnhof. Ich auch da. Bis zu dem Konzert hatte ich den Namen 1000mal gehört, die Musik hingegen noch nie. Jungfernflug. Ist ja gerade auf Rapkonzerten nicht so schön, die Texte nicht zu kennen. Egal. Wenigstens keine Erwartungshaltung, die enttäuscht werden kann. Doch siehe da, das Konzert war Hammer- Die Eckdaten: Zwei Vorbands, ein Mittendrin -Auftritt und insgesamt fast 4 Stunden Konzert. Die erste Vorband leider mehr oder minder verpasst, die Zweite war doch sehr erpicht darauf, dass das Publikum weiß, wer sie sind. Nicht das sie nicht gut waren, aber die oft gestellte Frage „wer sind wir?“ konnte ich trotzdem erst nach ihrem zauberhaften Zugabetrack „Mario B.“(ein liebenswerter und lange angebrachter Mario Barth Disstrack) beantworten: Dangaa und Kasim ihr Name.

Dann Herr von Grau selbst: Klare Aussprache, gute Beats, Bühnenpräsenz, eine Trackmischung zwischen abgehen, lachen und mit der eventuell vorhandenen Frau tanzen- gelegentlich sogar alles gleichzeitig. Und selbst wenn er mal nicht rappte, wusste er durchaus das Publikum zu unterhalten. Mittendrin auf einmal ein Auftritt der nicht-mehr-ganz Newcomer Amewu und Chefket, die ebenfalls in die Riege der Wir-rappen-mit-Sinn-und-haben-wieder-Erfolg-damit-Fraktion gehören. Schöner Einschub. Haben auch gut Leistung gebracht die beiden. Anschließend wieder Herr von Grau. Schöne Sache. Abwechslungsreich wie seine Musik.

Fazit: Schönes Konzert. Abwechslungsreich, anständige Länge, sowohl der betrunkene Mob hinter mir, als auch das Pärchen neben mir voll auf ihre Kosten gekommen. Empfehlenswert. Wiederholens wert. Und alles andere als Grau.

(Yuppi Buge)

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7 Kommentare so far
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das war doch das abschlusskonzert von der revue tour. nicht von der heldenplätze tour… revue is das dritte album was die rausgebracht haben, im mai glaub ich. weißte bescheit. schöner bericht!

Kommentar von besserwisser

oha,da hast du vollkommen recht..schlampig recherchiert-n klassiker…danke für den hinweis. und falls es nicht mehr korrigiert werden sollte: ANSAGE AN ALLE-HÖRT AUF DEN BESSERWISSER!!!der hat recht

Kommentar von yuppie

Moinsen…war auch da, wollte nur einwerfen das die erste Vorband, die LABA JUNXS aus Fürth in Bayern waren!
Hat mir auch sehr gefallen!
Und noch mehr begrüße ich, den oben beschriebenen Aufschwung zurück zum „Ursprung“, nämlich Texte mit Aussage und Sinn, ist wirklich mal Zeit geworden!!!

Kommentar von Malte Stabenau

Ja, ein schöner Bericht.
Nur mit dem Album hast Du Dich ein wenig vertan.
Es ist das dritte Album mit dem Titel „Revue“….dennoch, schön zusammengafasst. Vorallem fühle ich mich so angesprochen.
Ich glaub ich bin 50% des neben Dir tanzenden Pärchens mit dem Mob im Rücken…

Kommentar von Linda

das ist leicht rauszufinden: hast du mir und meiner begleitung n bier mitgebracht?

Kommentar von yuppie

Jawohl! Zwei Astra in meiner Pinkelpause…

Kommentar von Linda

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