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Du hast die Wahl, einmal mehr! Zwischen Skandal und Verantwortung, Kunst und Krieg, zwischen nichts oder einskommasieben Millionen
Mai 14, 2012, 1:15 pm
Filed under: Gesellschaft, Kunst, Taktik | Schlagwörter: , ,

Die Guillotine ist weder provokant noch dumm, auch wenn es sich wie ein Glückstreffer anfühlt. Nicht nur für den Rezipienten, wahrscheinlich auch für die beiden Künstler selbst. Aber auch dafür ist Kunst da, für die Überraschungsnummereins, für das Unerwartete, für das Zufällige. Auch so entsteht Kunst. Eine Guillotine in weichen Pastellfarben, Babyfarben gar, unschuldig, wie im Kinderkaufhaus. Doch dann dieses schneidene, grelle Geräusch, wenn das Fallbeil herunterrast. Ästhetisch eine Wucht. Dazu die Frage der Inbetriebnahme, in diesem Fall als Abstimmung über Leben und Tod, ein Opferlamm, das stellvertretend steht. Für was sei jedem selbst überlassen. Die Abstimmung läuft zur Zeit im Internet, mittlerweile sind mehr dagegen als dafür. Eigentlich schade. Die Künstler werden wohl nicht in die Pflich genommen. Dafür sind sie ins Visier von pseudomoralischen Kunstächtern geraten, leider auch ins Visier der weltbewegenden und weltumspannenden Bewegung die sich Annonymous nennt und in diesem Fall (und ich hatte zuletzt soviel Symphatie empfunden für das was sich da weltverbessernd im Netz breitmacht) als Zensor auftritt, als Ankläger, als kunstkritisches Etwas, das seine Legitimation im Schwarm findet und in diesem Fall fast schon mafiös drohend sich mit anderen Kleingeistern verbündet. Das klingt dann so: wir wissen wo ihr wohnt. Halleluja. Ich dachte in meiner Twittertimeline sind Spinner, doch das ist dann natürlich eine Spur schärfer. Doch ist es nicht so, dass die beiden halbstarken Kunststudenten nichts anderes machen, als sich einer Mehrheit, nennen wir es mal Schwarmintelligenz, zu beugen, dem Urteilsvermögen der Netzgemeinde oder auch dem Kunstkenner zu vertrauen? Hat doch geklappt. Noch ehe die Peta- und Anonymousnahen Kritiker sich aufmachten um ihr flammendes Schwert gegen die Verrohung und Pervertierung der Kunst zu erheben gab es eine Mehrheit für die Exekution des Lammes. Nach der öffentlichen Berichterstattung und dem digitalen Shitstorm gab es eine Mehrheit, die das Lamm am Leben lassen wollte. Noch sind drei Tage Zeit. Drei Tage in denen wir morden, beleidigen, vergewaltigen, Tiere schlachten, schächten, ausnehmen, essen, mit ihnen Gassi gehen, sie über Hindernisse jagen oder ihnen im Zoo beim Dahinvegetieren zuschauen. Drei Tage in denen wir Kriege dulden, Diktatoren, das Wesen der Banken und uns selbst. Was ist da ein Lamm? Rettest du ein Lamm dann rettest du die ganze Welt? So ist das nicht. Leider.

Die zwei verantwortenden Künstler mögen einem nicht ganz koscher vorkommen, man muss sie nicht mögen. In ihrem Video zu Enstehung und Erklärung wirken sie ungekonnt großspurig und unbedarft, zwei Kinder im Sandkasten der Kunst. Doch ihr Werk ist zeitgeistig, wahrscheinlich wie Künstler selbst letztendlich auch, und spielt gekonnt mit all dem, was junge Menschen heute so bewegt: Kinderspielzeug, Tod und Internet. Also geht es doch mehr darum Kunst erstmal zu verstehen und dann zu verdammen.

(JF)


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ich bin immer für euch da iman :-p

Kommentar von iman




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