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Tech N9ne – The King of Darkness im grellen Scheinwerferlicht
November 22, 2012, 10:04 am
Filed under: Film/TV/YouTube und Co., Musik, vor ort | Schlagwörter: , , , ,

Hätte ich erwartet ihn noch live zu erleben, bevor ich zu einem alten verschrobenen Lustgreis mutiere? Nein! Umso größer also die Freude. Man kommt ja selten in den Genuss eines Rappers, der einen seit Jugendjahren begleitet und auch aktuell noch brauchbare bis richtig gute Produktionen abliefert. Aber wie dem immer so ist, sollte man achtsam sein mit dem Aufbauen von Erwartung und Vorfreude. Wie evtl in vorherigen Einträgen schon deutlich wurde, habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu den Konzerten amerikanischer Rapper- oft zu lange Wartezeiten, zu kurze Konzerte und häufig auch ohne großartig Ambitionen das Publikum zu begeistern. Das hat sich glücklicherweise verändert. Zumindest in den meisten kürzlich erlebten Fällen. Doch hüte man sich vor der Künstler-unabhängigen Komponente: die Mitarbeiter im Club des Geschehens-vornehmlich die Tonverantwortlichen…

Tech n9ne´s Tracks sind harte Produktionen: Beats mit unzähligen Ebenen, Stimmverzerrungen, alles was das Effektgewohnte Ohr so liebt. Als Laie kann ich mir vorstellen, dass es eine Herausforderung an den Tontechniker darstellt, so etwas live gut rüberzubringen- aber man, er hats gelernt, er muss es können, er müsste es können…er kanns aber leider oft nicht…und das ist frustrierend für alle: das Publikum, den Künstler selbst und spätestens wenn er (hoffentlich) den wohlverdienten Einlauf für seine Negativleistung kassiert auch der Tonmann.
Vorgeplänkel…Konzert…Tech n9ne und Kriss Kaliko aus Kansas City. Neben dem grimmig dreinschauenden Security die einzigen beiden Menschen auf der Bühne. UND DIE KÖNNEN WAS! Raptechnisch: einwandfrei, Abwechslung der Tracks: hammer, Zusammenspiel der beiden: für mich bisher einzigartig…klingt erstmal vortrefflich. War es auch, nein, wäre es auch gewesen,
aber
der Ton…man…
Ich hab mich riesig gefreut als ich hörte das Konzert fände im Lido statt…da läuft ja auch mal Rock, und beim Atmosphere Konzert vor gefühlten 1000Jahren war der Sound auch echt gut ( auch wenn ich damals alles andere als nüchtern war). Dementsprechend die Erwartung an Anlage und Tonmann…wie war das doch gleich mit der Erwartung? Genau…sie kann enttäuscht werden.
Nach Chefket, den ich grandios verpasst habe, der aber sicherlich eine gewohnt solide Show abgelegt haben dürfte (sicher auch mit Amewu im Gepäck- den empfind ich ja als echt guten Rapper), wurden Tech N9ne-Alben als Pausenfüller runtergedudelt. Ein ganz ausgeklügeltes Konzept um den Hörer schonmal auf die Musik vorzubereiten, oder einfach nur einfallslos. Seid drum…Freude bei mir und Geleit.
Dann Auftritt Kriss Kaliko. Ein schneller, energetischer Beat, irgendwo zwischen Dancehall und DubStep. Schnelle Raps, technisch sauber…aber leider kaum wahrzunehmen. Zu leise. War ein bißchen wie im heimischen Wohnzimmer, voll aufgedreht. Oder wie die CD´s, die vorher liefen, nur mit den passenden Bildern. Teilplayback(?) rettete dies noch gutesgehend. Dann der KOD persönlich. Hammershow…präsent auf der Bühne und…zu leise…einfach zu leise…besonders auffällig wurde dies, wenn der Beat mal etwas abflaute und Tech N9ne SoloRapParts ins Mikro brüllen musste…was nicht so leicht ist bei dem Tempo, das der Mann vorlegt.
Eventuell sind sie ja deshalb gelegentlich in a capella Beatbox-Versionen abgedriftet: einfach um zu zeigen, dass sie es doch können und der Ton dran schuld ist…UND SIE KONNTEN ES! Wie die beiden zusammen funktionieren war echt schön anzusehen und -zuhören. Kein Wunder bei 200 Auftritten im Jahr, aber eindeutig trotzdem zu honorieren. Auch die Leute sind derbe abgegangen. Ich dachte, ich kenn mich aus, aber die haben bei Tracks mitgebrüllt, die ich noch nie gehört hatte…also auch top.
Fazit: es hätte so schön sein können. Es war ja auch nicht schlecht- war ja schon eine durchgeplante, konsequent und qualitativ auf recht hohem Niveau durchgezogene Show der Beiden. Auch das Publikum verdient Anerkennung…nur eben nicht der Tonmann…und der macht leider die Musik.
(YB)


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