Faceyourmagazine's Blog


The Mighty, but not Almighty, Mos Def

Es gibt Konzerte, nach denen man sich eine eindeutige Meinung bilden kann. Wer aufgepasst hat, wird z.B. feststellen können, dass das letzte The Pharcyde-Konzert einfach nur abzugsfreie 10 Punkte erhalten hat…das Dead Prez-Konzert widerum war aus verschiedensten Gründen alles andere als abzugsfrei geil. Nun kommt Mos Def um die Ecke nach Berlin und man freut sich und man hört, das man, neben der Entjungferung The Mighty Mos Def endlich mal Live zu sehen, nebenbei auch noch das erste Mal in Huxleys neuer Welt einkehren wird und dann freut man sich noch ein wenig mehr…aber da fängts auch schon an: das Huxleys ist der beschissenste Club ever!
Das war jetzt natürlich ein wenig übertrieben, aber kommt doch schon recht nahe an meine Wahrnehmung. Ausgehend davon, dass der CrossClub in Prag der beste Club bisher war, stellt das Huxleys bisher das Negativpendant dar. Erstens haben die auf den VVK-Preis von saftigen 35€ nochmal 10€ zur Abendkasse raufgehauen…das lassen wir mal so stehen. Dazu ein Security-Aufgebot, wie ich es lange nicht mehr gesehen habe…war zwar einerseits schön, weil man sich mal an die berliner Tage zurückerinnerte, an denen nicht alle weichgespült waren, an denen solche Aufgebote durchaus mehr als eine notwendige Daseinsberechtigung hatten. Aber selbst zu härteren berliner Zeiten wäre solch ein Aufgebot bei so ziemlich jedem Rapper außer Mos Def notwendig gewesen. Dafür sind er, seine Musik und sein Publikum viel zu friedlich. Die erwähnten Securities wagten es dann auch noch nach penibler Suche (ich habs mit eigenen Augen gesehen!) HIPHOP-Konzertgästen in BERLIN das Gras abzunehmen! Das dann auch noch auf so pseudonette, pseudocoole Art…geht absolut gar nicht. Erste recht nicht, wenn sie darauf wie Pitbulls achten, den Flachmann in meiner Tasche aber übersehen. Dann direkt der nächste Schock: das Huxleys ist riesig! Ich mag HipHop in großen Clubs und Hallen nicht, vor allem nicht mit allzu hohen Decken. Da geht irgendwie der Flavour flöten. Also der Versuch, die Umgebung durch Bierkonsum auszublenden. Bei 3,50€ pro Bier nicht ganz einfach. Zumal das Huxleys es nicht nur wagt, auf Einweg-Plastikbecher Pfand zu erheben, nein, sie verteilen auch noch Pfandmarken. Auf die Frage, ob sie dies täten, weil sie die Becher entgegen ihres Zweckes wiederverwenden kam ein wenig überzeugendes “nein“…

Kommen wir endlich zur musikalischen Seite des Abends: die kam zunächst von einem DJ, der zwar gute, aber denkbar uninnovative Musik spielte. Musst reichen, um die Leute warm zu kriegen. Hat es auch.
Und dann endlich…Mos Def. Doch gleich die Frage einer Frau neben mir: was trägtn der da?? Tja, was der da trägt, sah aus wie ein creme- farbener, hautenger Lederanzug…grenzwertig, aber mir egal. Schön war nur der Moment, als er die Jacke auszog, die Frau neben mir sich schon freute, bis ein cremefarbenes, hautenges Shirt darunter zum Vorschein kam…königlich!
Ab jetzt wird’s knifflig. Ich fand das Konzert echt ganz gut. Vor allem die ersten paar Tracks haben richtig gerockt, waren aber auch ein paar meiner Lieblinge dabei. An sich bilde ich mir auch ein, ausgewogene Alt-Neu-Mischung der Tracks wahrgenommen zu haben, auch, wenn das nicht immer leicht war, da der Sound wie gewohnt eher mäßig war. Bißchen viel Hall, bißchen wenig Höhen, aber da gabs schon schlimmeres. Er hat recht viel gesungen (vor allem hatte er ein faible für laute Rufe, die dann hallend verstummten) aber das fand ich ok…er hat auch viel getanzt, aber auch das fand ich ok…also ich fands echt ok! Unbefriedigendes Statement, weil ich schon mehr erwartet hätte, aber trotzdem solide. Für meine Erwartungshaltung ist Mosy nicht verantwortlich. Wer will ihm Narzissmus vorwerfen, weil man schon das Gefühl hätte kriegen können, er zelebriert sich selbst und das Publikum ist nur Mittel zum Zweck…Künstler, die öffentlich auftreten, müssen ja fast schon Narzissten sein. Während mein Fazit zwar nicht die Erwartung erfüllt, die ich hatte, bleibt es aber positiv…im Gegensatz zu jedem anderen Fazit, welches ich bisher vernahm. Das Gesinge, das Getanze, der Sound, das Selbstzelebrieren- nahezu alles wurde negativ gewertet. Nun muss man sich wieder fragen: war es wirklich seine Schuld? Lag es nicht eventuell an den Rahmenbedingungen? Es ist eine Kunst, in einer großen Halle oder auf einem Festival die Leute für sich zu gewinnen. Mos Def ist zwar The Mighty, Pretty Flacko und ein alter Hase, aber das Kunststück kann auch ihm nicht immer gelingen. Zumal mir schon öfter auffiel: berliner Publikum ist hart. Es zelebriert eher sich beim zelebrieren, als wirklich den Künstler. Wie wir scheinbar für ihn, so ist er für uns auch nur Mittel zum Zweck zu cooler Live-Musik zu feiern. Guckt euch mal Videos aus anderen Städten an. Die Leute rasten aus, weil ein Star da ist. Berlin ist gesättigt. Wir hatten in den letzten Monaten alle: Nas, Dead Prez, Mos Def….
Für den Sound, die Security, das teure Bier und die Riesenhalle konnte er ja nichts…und eben auch nicht für die ungeheure Erwartungshaltung, die man wohl an eine Legende wie ihn knüpft. Konzertkritik hin oder her: eine Legende bleibt er! Aber er ist halt auch nicht mehr der Jüngste. Er ist ja nicht mal mehr Mos Def…er ist jetzt Yassin Bey… und ich find ihn völlig ok!

(YB)


2 Kommentare so far
Hinterlasse einen Kommentar

ein artikel von YB, und ich find ihn völlig okay! hahah grüße brudii ^^

Kommentar von cc

y bey…

Kommentar von Blank Blog




Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: