Faceyourmagazine's Blog


Sternstunden des Kapitalismus… wieder mal eine, am 23.12. in Stuttgart
Dezember 21, 2009, 9:00 pm
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Das vorweihnachtliche, literarische Entsinnen, u.a. mit den BLANK-Autoren Stefan Kalbers und Boris Guschlbauer. und weiteren Spezialisten. Für alle in und um Stuttgart an diesem Tag ein Pflicht-Termin.

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Neue Reihe: Lesen im Club
September 28, 2009, 11:16 am
Filed under: vor ort | Schlagwörter: , , , , , , ,

blank lesetour

BLANK präsentiert die neue Reihe „Lesen im Club“ und damit „Bitterstoffe“, den Debut-Roman von Florian Voss aus Berlin. Auftakt ist morgen, Dienstag den 29.09., im Berliner Club Rodeo, weiter gehts am Mittwoch im Stuttgarter Beat Club, wo der Stuttgarter Autor Stefan Kalbers in die Rolle des Support-Acts schlüpft, und am Donnerstag sieht man sich dann in der Münchner Bar Privée zum Tourfinale. Alle Infos zu Florian Voss finden sich hier.



Ein Text von Stefan Kalbers
Dezember 14, 2008, 5:03 pm
Filed under: HEFT ZWEI | Schlagwörter: ,

Wer kümmert sich um die Kinder?

Sexuelle Nahkampfpraktiken, insbesondere aber der Coitus, bargen zu allen Zeiten und an allen Orten der Welt zumindest zwei schwerwiegende Risiken:
1. Die Ansteckung mit Krankheiten (z.B. AIDS)
2. Die Zeugung von Artgenossen (z.B. Kinder)

Dabei ist es müssig zu diskutieren, welcher der beiden Spätfolgen der Vorzug zu geben ist. Fakt ist, es läuft auf den Tod des bisher gekannten Lebens hinaus. Besonders dann, wenn Punkt eins und zwei gleichzeitig auftreten. (Laut Google-Recherche kommen pro Jahr weltweit ca. 25.000 infizierte Kinder zur Welt.) Das ist ein stolzer Preis für ca. 7 Sekunden weltvergessende Glückseligkeit. Um eine solche Situation im Vorfeld zu vermeiden, ist die Antwort auf die Frage „Wer kümmert sich um die Kinder?“ recht einfacher Natur. Beim Mann: Kondom und Sterilisation Bei der Frau: Pille und Pessar. Gern gesehen werden auch so genannte Enthaltsamkeit, Masturbation oder naturbedingteUnfruchtbarkeit. Weniger gern gesehen werden rhetorische Verhütungsmittel wie: „aufpassen“, „besser aufpassen“ oder „ich hab’ doch aufgepasst“. Auch von Omas heißer Stricknadel oder Techniken wie positives Denken („Es wird schon nichts passieren“) gilt es, sich bitte zu verabschieden. Ach so, das hättet ihr vorher wissen sollen? In diesem Sinne ein herzliches „Grüß Gott“ an alle Jugendliche, Eltern und Alleinerziehende. Wenn ihr euch also in einer Situation wiederfinden solltet, in der es kein Zurück mehr gibt, ist davon auszugehen, dass auch Begriffe wie Abtreibung, Adoption oder Babyklappe bisher nicht in eurem Wortschatz zu finden waren. Zugegeben, es soll auch Vertreter des Homo sapiens geben, die willentlich Nachwuchs herbeificken, stellt sich nur die Frage „Warum?“. Die These, dass der Wunsch nach Kindern auf eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn zurückzuführen sei, ließ sich wissenschaftlich bis jetzt weder erhärten noch widerlegen. Im großen Lexikon der Kneipenphilosophie fand sich jüngst folgender Eintrag: Frauen wollen Kinder, weil diese ihrem Wunsch nach bedingungsloser Liebe am ehesten entsprechen. Das Neugeborene hat nämlich gar keine andere Wahl, als seine nächste Bezugsperson abgöttisch zu lieben. Nüchtern und global betrachtet, lassen sich ohne weiteres zahlreiche Argumente finden, die gegen eine Weitergabe des eigenen Genmaterials sprechen. Stichwortartig seien hier lediglich angeführt: Weltweite Überbevölkerung, damit verbundene zunehmende Nahrungsmittelknappheit, inklusive Trinkwasserproblematik, Zusammenbruch der Sozialsysteme, voraussichtliche Völkerwanderungen bedingt durch ansteigende Armut und Folgen des Klimawandels, Verknappung der Rohstoffe, Energiekrisen und wachsende Kriegsgefahr. Wer bitte möchte seinen
Nachwuchs diesen Lebensbedingungen aussetzen? Ist es nicht furchtbar egoistisch und unvernünftig, trotzdem Kinder in die Welt zu setzen? Auf der anderen Seite: Hat es Sinn, zu rauchen, obwohl man weiß, dass es der eigenen Gesundheit Schaden zufügt? Hat es Sinn, auf ein achtes Bier noch ein neuntes draufzukippen, weil es so gut schmeckt? Hat es Sinn, in der Innenstadt auf einer Strecke von 400m lautstark von 0 auf 80 zu beschleunigen und dann scharf abzubremsen, wenn die nächste rote Ampel schon lange erkennbar ist? Hat es Sinn, im Jahr 2008 noch ein Plattenlabel oder ein Printmagazin zu gründen? Es scheint mit der Vernunft nicht so weit her zu sein auf diesem Planeten. Ein Argument, das wir also getrost vergessen können. Vielleicht auch, weil es sich nach Ursel, ich bin hier voll der Laie, schlicht um die falsche Maßeinheit handelt. Jeder, der schon einmal einen frisch geborenen Säugling im Arm hatte, weiß das. Da werden ganz andere Instinkte angesprochen. Diese kleinen Finger. Dieses herzhafte Gähnen mit geschlossenen Augen. Und die riechen so gut. Ein Aspekt soll hier trotzdem noch beleuchtet werden: Die Deutschen sterben aus. Wie sagte mein guter alter Freund Alfred E. Neumann dazu: Na und? Wenn morgen die Nachrichten verkünden, dass die Neuseeländer oder die Schotten vom Erdboden verschwunden sind, wie sehr geht uns das zu Herzen? Eben. Die Deutschen sterben aus. Mir kommen die Tränen. Wir gehen also davon aus, dass Kinder in die Welt zu setzen etwas Irrationales an sich hat, und vor allem, dass wir es nicht verhindern können. Auch wenn wir uns im Recht und die besseren Argumente auf unserer Seite glauben. Permanent gegen die Tatsachen des Lebens ankämpfen zu wollen, ist auf Dauer zermürbend, macht unsympathisch, kostet Freundschaften und zeugt von Unreife. Sich in der Rolle des Kinderhassers und Weltverweigerers einzurichten, ist schlicht albern. Ach, wäre ich nur der alleinige Herrscher über die Welt! Aber so… Wer kümmert sich also um die Kinder? Im Auftrag des BLANKMAGAZIN schnappen wir uns die Kamera und den Hubschrauber, und los geht’s! Mit Weihwasser und Knoblauch im Gepäck auf dem Weg in die Hölle der Elternschaft. „Wollen Sie einen Kaffee?“, fragt die rothaarige Monika Piercing-Style* (23) zum Einstieg und liefert die Antwort gleich dazu. „Dann gehen Sie mal in den Supermarkt um die Ecke und bringen bei der Gelegenheit gleich Klopapier mit. Das ist nämlich alle.“ Stolz zeigt uns die junge Frau ihre Tattoos und die stattliche Sammlung sorgsam gehegter Vinylsingles. Auf den Kopf gefallen ist die zierliche junge Frau sicherlich nicht. Auch in der Genderdebatte weiß sie rhetorisch zu überzeugen und lebt dem eigenen Gewissen folgend streng vegan. Wobei sie sich gewissen Aspekten der Fleischeslust anscheinend nicht verweigern mag; gründet sich die plötzliche Schwangerschaft doch sicher nicht auf erhörte Gebete. Die zwei Mitbewohnerinnen ihrer Frauen-WG freuen sich jedenfalls mit auf das Kind.

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